19.02.2018

Kalter Wintertag

Nach einem intensiven Rennwochenende verläuft ein klassischer Radfahrermontag im Normalfall eher gediegen.

Man fällt in ein kleines Loch und die Erschöpfung die sich übers Wochenende angesammelt hat fällt über einen her.

Um dem entgegenzuwirken geht es zumeist noch 1,5h aufs Rad für eine lockere Runde im Idealfall mit Kaffeestop.

 

Da ich letzte Woche unteranderem durch das Wetter nicht so viel trainieren konnte habe ich zusammen mit meinem Trainer beschlossen heute etwas länger fahren zu gehen.

Der Gedanke dahinter ist, vor den Klassikern nochmals einen ordentlichen Block zu fahren um mich dann Dienstag und Mittwoch nochmals zu erholen.

In diesem Sinne quälte ich mich heute bei Temperaturen um den Nullpunkt auf meine Rennmaschine und los ging. Nach der vielen Führungsarbeit der letzten beiden Tage und einer Normalized Power von über 300W bei 4,5 und 5,5 Rennstunden (!!!) war ich heute morgen dementsprechend erschöpft.

 

Nach 1,5h traf ich mich mit meinem Vater zum Motortraining. Ziel hierbei war es 2 Stunden lang einfach nur locker die Beine zu drehen.

Auch wenn wir vergleichsweise nicht schnell fuhren merkte ich schnell, dass meine Beine komplett leer waren.

 

Trotz allem gingen die Zeit dann irgendwann auch wieder vorbei und sowohl mein Vater -dem ich hiermit nochmals ein Riesen Dankeschön aussprechen möchte; er ist bei Wind und Wetter immer bereit mit seinem Motorrad mein Training zu unterstützen- als auch ich waren komplett durchgefroren. Also schnell nach Hause unter die heisse Dusche.

 

Aber ganz direkt war mein Heimweg dann doch nicht: In Eile um rechtzeitig zum Treffpunkt zu kommen bin ich heute morgen ohne Essen oder Geld aus dem Haus und nach 3,5 Trainingsstunden bekam ich dann doch etwas Hunger.

Kurzerhand fuhr ich an eine Tankstelle um mir eine Kleinigkeit zu holen und es war tatsächlich meine Apple Watch die mich vor einem Hungerast rettete.

Rein in die Tankstelle ein Bounty gegriffen und die Uhr an das Kartenlesegerät gehalten. Ein kurzes „Biep“ und schon wieder raus aufs Rad.

Super einfach und für mich doch der Retter in der Not…

 

Die nächsten 2 Tage werde ich die Beine dann jetzt aber doch etwas hochlegen können und kräftig regenerieren bevor ich Mittwoch Abend nach Brüssel fliege.

Dort werde ich dann mit dem Rest der Mannschaft die Strecke des ersten großen Klassikers des Jahres genauer unter die Lupe nehmen.

Bis dann

Euer Nico

18.02.2018

Tour du Haut Var- 2.Etappe

Nach einem erneut hektischen Start konnte ich mich nach den gestrigen Anstrengungen erstmal etwas ausruhen, da Direct Energie die Verfolgungsarbeit übernahm um das Leadertrikot zu verteidigen.

Meine Beine waren erwartungsgemäß noch etwas matschig vom Vortag, wurden im Verlauf der 189km aber immer besser.

Da der Bestplatzierte in der Spitzengruppe bereits 6 Minuten Rückstand in der Gesamtwertung hatte, zeigte Direct Energie keine große Motivation die Gruppe wieder einzuholen, sodass wir beschlossen die Sache in die Hand zu nehmen.

 

Das bedeutete schlussendlich, dass ich wieder von vorne fahren durfte.

Zunächst beschleunigte Astana 2 Runden vor Schluss auf dem 11km langen Rollerberg und zog das Feld in die Länge. Dabei schlugen sie aber ein zu hohes Tempo an und übernahmen sich selbst, sodass einer nach dem anderen nach nur kurzer Zeit aufplatzte.

Jetzt nahmen wir das Zepter in die Hand und drückten richtig drauf.

 

In def Führung fiel mein Tacho nicht unter 400W, sodass das Feld unter unserem Tempodiktat auf unter 50 Mann zusammenschmolz.

Wir hielten dieses hohe Tempo bis zum letzten Anstieg, wo mein Arbeit dann beendet war und ich völlig entkräftet ausscherte.

 

Unser Ziel Etappensieg beziehungsweise die Rundfahrt noch für uns zu entscheiden gelang nicht ganz.

Alexis Vuillermoz wurde nicht nur Tageszweiter, sondern nahm auch Platz 2 in der Gesamtwertung ein. Der Gesamtsieg ging nach 2 (!) Tagessiegen verdient an Hivert von Direct Energy.

Gegen ihn war an diesem Wochenende einfach kein Kraut gewachsen.

 

Dennoch haben wir uns nichts vorzuwerfen, da wir alles für einen möglichen Sieg getan haben.

Trotzdem ist es natürlich enttäuschend schon wieder so knapp an einem Sieg vorbeigeschrammt zu sein...

 

Mein Blick geht nun in Richtung Klassiker, die mit dem Omloop Het Newsblad am Samstag beginnen.

Ich fühle mich fit und bereit. Jetzt gilt es nur noch in dieser letzten Woche nicht mehr krank zu werden!

Bis dann

Euer Nico

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17.02.1018

Tour du Haut Var 1.Etappe 

Nach der letzten Woche in Laigueglia habe ich es im Training etwas ruhiger angehen lassen.

Die zusätzliche Freizeit habe ich dann auch direkt für einen Kurztrip nach Köln genutzt um bei der Firma Solstar vorbeizuschauen.

Diese sind auf Carbon-Schuh-Einlagen spezialisiert.

 

Zuerst wird ein Scan des Fußes erstellt um dann auf einem Carbon-Rohling verschiedene Anpassungen vorzunehmen. Es entsteht nun also ein Sohle die spezifisch auf meinen Fuß angepasst ist.

Den Unterschied merkt man auf dem Rad sofort.

Selbst auf dem Hometrainer vor Ort hatte ich direkt win positives Gefühl.

 

Mit meinen neuen Einlagen im Gepäck bin ich gestern also wieder nach Nizza geflogen.

Diesmal blieben wir auch in Frankreich und zwar für die Tour du Haut Var.

 

Die erste Etappe hatte es auch gleich wieder in sich.

Auf dem 169km langen Teilstück waren knapp 2900hm zu bewältigen.

Die Straßen in der Region Haut Var sind dabei (fast) alle relativ schmal und es geht dauernd nur hoch und runter...

Dazu kommt noch, dass für den ganzen Tag Dauerregen angesagt war; wir nahmen also das erste Regenrennen im Jahr 2018 in Angriff!

 

Der Start war mal wieder ganz französisch; soll heißen eine Attacke nach der anderen und alles andere als kontrolliert.

Meine Beine waren anfangs noch etwas schwammig und ich fühlte mich nicht besonders.

Das ist aber nicht weiter überraschend, da ich diese Woche nicht so viel auf dem Rad gesessen bin.

Als die 4 Mann dann nach 30km endlich weggefahren waren begannen wir -soll heißen ich- mit einem Fahrer der FDJ die Verfolgung zu organisieren.

Wie schon in Laigueglia verbrachte ich meinen Tag also wieder an der Spitze des Feldes.

 

Meine Beine wurden immer besser, sodass ich auch immer noch mitfahren konnte als es gut 60km vor dem Ziel begann im Feld nervös zu werden.

Ich ließ erst im letzten Anstieg auf der Schlussrunde reißen um Körner für den nächsten Tag zu sparen. Denn falls wir das Trikot geholt hätten, hätte ich wieder fahren müssen...

 

Ganz gereicht hat es dazu aber leider nicht, doch Sam konnte die nächste Podiumsplatzierung für uns einfahren!

Mit meiner persönlichen Form bin ich so weit sehr zufrieden.

Die Klassiker rücken immer näher und auch meine Formkurve zeigt nach oben!

 

Morgen geben wir dann nochmal alles

À demain

Nico

11.02.2018

Trofeo Laigueglia

Erst 2 Wochen seitdem ich aus Australien zurück bin, und doch fühlt es sich schon wieder wie eine Ewigkeit an.

Heute war dann endlich der Start in die europäische Saison. Auf dem Programm stand die Trofeo Laigueglia.

In dem kleinen Dorf an der ligurischen Küste unweit von San Remo haben die Organisatoren eine anspruchsvolle Runde zusammengestellt.

Da das Rennen dieses Jahr in die Hors Categorie hochgestuft wurde (1.HC) kam im Finale nochmal 1 Runde mehr obendrauf.

Das machte das Rennen -gerade am Anfang der Saison- mit 203km extrem lang.

 

Als einziges WorldTour Team am Start lastete natürlich eine gewisse Verantwortung auf uns.

Diese Erwartungen wollten wir natürlich erfüllen und nahmen das Renngeschehen in die Hand.

 

Zunächst war es also an mir den Abstand zur Gruppe nach vorne zu kontrollieren. Zusammen mit einem Fahrer von Androni machte ich gut 120km das Tempo.

Vor Allem im 12km langen Anstieg -dem letzten vor den abschließenden 4 Runden um Laigueglia- drückten wir die 9 Minuten Vorsprung auf unter 2 Minuten.

 

Ab der Bergwertung hatte ich meinen Teil der Arbeit dann erfüllt und meine Kollegen drehten so richtig auf.

In der Abfahrt rissen wir alles auseinander, sodass wir mit etwa 30 Sekunden Vorsprung in die 4 Schlussrunden gingen.

Für mich selbst war nach nur 1 Runde schluss und ich konnte nur noch Daumen drücken.

1 Runde vor dem Ziel sah auch noch alles nach einem perfekten Rennen für uns aus, waren wir doch mit 5 Mann unter den 12 Spitzenreitern vertreten.

Doch dann drehte sich alles um und wir wurden nicht für unsere Mühen belohnt.

 

Einmal mehr haben wir gezeigt, dass wir kein kleines Team mehr sind und auch ohne großen Leader einem Rennen unseren Stempel aufdrücken können.

Am Ende reicht es zwar nicht zum Sieg aber wir können mit unserer Leistung trotzdem zufrieden sein, da wir alles probiert, uns gezeigt und vor Allem was riskiert haben!

 

Auch für mich persönlich war dies eine gute Rückkehr ins Renngeschen. Und das sage ich nicht nur wegen der italienischen Pasta und dem guten Kaffee, sondern auch weil ich nach 2 Wochen Jet-lag und eher „gemischten“ Gefühlen im Training heute ordentlich auf die Pedale drücken konnte...

A la prossima

Nico

04.02.2018

Jet-lagged

Ich bin jetzt gerade 5 Tage wieder zu Hause und die Akklimatisierung an die Mitteleuropäische Zeit ist noch in vollem Gange.

 

Gerade die ersten 2 Tage fand sich mein Körper nicht wirklich zurecht und war komplett überfordert.

 

In der Nacht wachte ich mehrmals auf und 6 Uhr morgens war fertig mit Schlafen; unmöglich wieder einzuschlafen.

 

Also raus aus den Federn und erstmal Kaffee kochen.

Auch wenn mir der australische Kaffe hier fehlt und ich mehr den je das Verlangen nach einer Rocket-Espresso-Maschine verspüre, habe ich mich noch immer nicht durchringen können eine zu bestellen...

(für alle die sich unter einer Rocket nichts vorstellen können: www-rocket-espresso.it )

 

Mit meinem Kaffee in der Hand fing ich also morgens um 6 Uhr an in meiner Küche rumzuwuseln und weil ich gerne (und gesund) koche, bereitete ich diese Woche also etwas aufwendigeres Frühstück für meine Freundin und mich zu.

 

Das kam ihr bei ihrem aktuellen Prüfungsstress auch sehr gelegen ;)

Die nötige Energie die ich mir erhofft hatte, blieb blieb bei mir aber leider aus, denn auf dem Rad kam ich mir vor wie ein Schülerfahrer, der zum ersten Mal auf dem Rad sitzt.

 

Mit meinen Puddingbeinen eierte ich also den Rhein hoch und wieder runter und kam erst gestern wieder in den Geschmack von sich "rund drehenden Beinen".

 

Von all dem werde ich mich aber nicht irritieren lassen, denn wenn man 10h aus der Zukunft kommt braucht der Körper einfach seine Zeit um sich an die (europäische) Gegenwart zu gewöhnen.

Die Kalibrierung an die hiesigen Wetterverhältnisse hat soweit aber ganz gut geklappt und ich fühle mich von Tag zu Tag besser.

 

Ab Montag werde ich dann die Trainingsintensität wieder nach oben fahren, sodass die Regeneration der Rennvorbereitung platzmachenwird;

denn in nur 1 Woche beginnt für mich schon die europäische Saison mit der Trofeo Laigueglia in Italien.

 

Für alle von Euch, die meinen Rennkalender noch nicht auf ihrem iPhone oder iPad haben ist das die Gelegenheit!

Folge einfach folgendem Link und abonniere meinen iCloudkalender:

 

webcal://p31-calendars.icloud.com/published/2/Al1SvNB05_7UKLrQuWoHaSF_sMPmPDLIweYajVvalirEz5CdFXUru6LWJwo4K4wr

 

Bis demnächst

Euer Nico

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