Foto: @gettysport

29.04.2018

Tour de Romandie Etappe 5

Foto: @gettysport

Es ist geschafft. Die Tour de Romandie 2018 liegt hinter mir. Nach den Klassikern hatte ich ganz vergessen, dass es auch Rennen gibt bei denen man nicht die ganze Zeit vorne reinstecken muss und um seine Position kämpfen muss. Doch bei meiner ersten Rundfahrt dieses Jahr seit Australien habe ich schnell gelernt, dass man auch mal "hinten rumeiern" kann, bevor es dann zur Sache geht.

Auch die Intensitäten waren ganz anders. Von kurz und extrem hoch bei den Klassikern lag hier der Fokus auf langen gleichmäßigen Intervallen an der Schwelle.

Alles in Allem hat mir die Tour de Romandie also geholfen wieder in Schwung zu kommen und auf den "Rundfahrt-Modus" umzuschalten.

 

Die heutige Etappe verlief für mich relativ ereignislos. Ich hielt Sam während der Etappe aus dem Wind und legte großen Wert darauf nicht mehr zu stürzen.

Nach einer kurzen Heimfahrt und Dank des frühen Starts habe ich jetzt sogar noch den Abend zu Hause. Diesen nehme ich dankend entgegen, denn bereits am Dienstag geht es für mich scbon wieder weiter nach Jerusalem. Dort werde ich am Start meines 1. Giro d'Italia stehen. Ich fühle mich bereit und voller Vorfreude ;)

28.04.2018

Tour de Romandie Etappe 4

Foto:@gettysport

Die heutige Königsetappe hatte es echt in sich. Wie erwartet war gleich am ersten Anstieg schon ordentlich Radrennen geboten.

Mit Vollgas unten rein und dann gib ihm für die nächsten 10km!

Die ersten 6 konnte ich noch mitfahren, dann ging ich in meinen Rhythmus über um überhaupt oben anzukommen. So hatte ich mir meinen Plan auch vor der Etappe zurechtgelegt. Im Profil habe ich nämlich gesehen, dass der Anstieg erst dort richtig schwer wurde.

Nach der Abfahrt fand ich mich mit gut 40-50 Mann zusammen und los ging die Verfolgungsjagd.

Nur 10km später waren wir dann auch schon wieder da.

Vorne im Feld haben die Lotto Jumbos mittlerweile das Tempo organisiert und es ging alsbald schon in den nächsten Anstieg.

Dank der eher moderaten Geschwindigkeit fuhr ich hier sogar noch mit rüber, nachdem ich mich im Tal um Pierre Latour gekümmert hatte.

 

Im nächsten Anstieg musste ich dann aber doch die Segel streichen und meinem Übergepäck, dass ich von den Klassikern mitgebracht hatte zwang mich anreissen zu lassen. Ich war wohl doch etwas zu lang an der Schwelle gefahren.

 

Im letzten Aufstieg des Tages fand ich dann aber wieder einen guten Rhythmus und fuhr gerade so schnell, dass ich in den steilen Rampen mit meinem 32er Ritzel flüssig pedalieren konnte.

 

Das Zeitlimit stellte heute für mich keine Probleme dar, trotzdem ging ich in der langen Abfahrt sparsam mit meinen Bremsen um -einfach nur um von der Geschwindigkeit und den vielen schönen Kurven zu profitieren. Denn wer sich den ganzen Weg nach oben quält hat auch das Recht auf etwas Spaß in der Abfahrt :p Vor allem wenn die Straße schon mal gesperrt ist ;)

27.04.2018

Tour de Romandie Etappe 3

Foto: @gettysport

Wie gestern angekündigt ging ich heute relativ entspannt ins 10 km lange Bergzeitfahren. Gleich nach dem Start fuhr ich nur nach meinem SRM, immer zwischen 380 und 400W.

Mit diesem Rhythmus zog ich bis 3km vor dem Ziel durch nur um mich dann etwas mehr Richtung 400W zu orientieren.

Ich ging also nicht in den roten Bereich über und blieb mehr oder weniger unter der Schmerzgrenze um für morgen wichtige Körner zu sparen. Es kommt wohl viel Arbeit auf mich zu, sollte ich den ersten Anstieg nach nur 8km noch überleben…

26.04.2018

Tour de Romandie Etappe 2

Foto: @gettysport

Was ein Tag. Da der erste Anstieg schon nach 3km kam konnte ich vor dem Start schon den ein oder anderen Kollegen beim Warmfahren auf der Rolle sehen.

Ich entschied mich hingegen für den klassischen Kaltstart.

Bezahlen musste ich dafür dann im Aufstieg aber auch nicht, sondern fuhr im Feld mit, während vorne die De Gendt-Show begann. Einfach nur unglaublich was der heute wieder abgezogen hat. Hinten wurde ein Lotto Jumbo nach dem anderen verraucht und trotzdem wurde der Vorsprung der 4 Mopeds da vorne immer größer.

Unser sportlicher Leiter meinte dann, dass es demnächst dann wohl mal etwas schneller werden wird, aber das Feld fuhr schon Vollgas. Alle in einer Reihe; die Jungs konnten einfach nicht schneller fahren und auch die anderen Teams die in die Verfolgung mit einstiegen konnten De Gent nicht mehr einholen.

 

Mein Tag sah dabei ähnlich wie der gestrige aus. Arbeiten, Wind schlucken und Flaschen holen.

Auf dem Rundkurs wurde ich dann etwa 25km vorm Ziel im 2. Der 3 kurzen Anstiege abgehängt.

Für uns lief diese Tour de Romandie soweit wie geplant. Pierrot ist auf Platz 5 in der Gesamtwertung und auch Matthias ist noch mit dabei.

Morgen gehe ich ohne große Ambitionen in das 10km lange Bergzeitfahren. Ziel soll einfach sein einen guten Rhythmus hochzufahren und nicht aus dem Zeitlimit zu fliegen.

25.04.2018

Tour de Romandie Etappe 1

Foto: @gettysport

Heute ging es über 166 Kilometer von Fribourg nach Delemont. Auf unserem Weg wurden wir von gleich 4 Bergwertungen mit insgesamt 2200 hm erwartet.

Meine Aufgabe war es die ersten 110km im Wind zu fahren und unsere beiden Leader aus dem Wind zu halten. Dieser Aufgabe widmete ich mich dann auch voller Elan. Als es zum ersten mal über den Col de la Somme ging fehlten mir dann knapp 1,5km um noch mit dem Feld über die Kuppe zu fahren.

Ich schaltete dann einen Gang runter und beendete das Rennen im Gruppetto etwa 11 Minuten hinter dem Sieger. Trotz des Ergebnisses im hinteren Bereich waren meine Beine heute wirklich gut und ich bin zufrieden mit meiner Form nach diesem ersten intensiven Tag.

24.04.2018

Tour de Romandie - Prolog

photo: @gettysport

Nach den Klassikern habe ich mir erst einmal eine ganze Woche Ruhe gegönnt bevor ich letzte Woche wieder einen ordentlichen Block gefahren bin. Anstatt einen kompletten Strich zu ziehen und komplett einen neuen Aufbau zu starten, ziehe ich diese Jahr weiter durch und stehe heute schon wieder am Start der Tour de Romandie. Dies hat einen besonderen Grund: Der ein oder andere hat es sicher schon mitbekommen: Nach der Vuelta im letzten Jahr gebe ich im Mai mein Debüt beim Giro d’Italia. Und da mein letztes richtiges Etappenrennen im Januar (Tour Down Under) war und es wichtig ist vor dem Giro noch einmal ein paar Anstiege im Rennen zu fahren ergibt sich für mich diese schöne Gelegenheit durch die Westschweiz zu fahren.

 

Heute ging es dann auch schon los mit dem Prolog über 4km auf einem technisch anspruchsvollen Stadtkurs. Wegen der vielen Kurven, Abfahrten, Verkersinseln und Anstiege entschied ich mich gegen mein Zeitfahrrad und für meine Straßenmaschine.

Nachdem ich nun seit Roubaix kein Rennen gefahren bin war ich zufrieden mit meinem Ergebnis heute. Ohne allzuviel Risiko zu gehen steuerte ich sicher durch den ersten Teil und hatte mir meine Kräfte gut eingeteilt um im Anstieg nochmals zuzulegen. Auf der Kuppe ging dann das große Blatt aber nicht rauf, sodass ich mit dem kleinen Kettenblatt die letzten 400m zu Ende fahren musste.

Dies änderte aber nicht viel am Endergebnis und ich landete im Mittelfeld auf Platz 58.

 

Im Laufe der Woche werde ich vor Allem Helferdienste übernehmen und im Finale wohl nicht bis auf das letzte Korn mitfahren um mir nicht für den Giro „einen in den Schuh zu fahren“. Die Beine sind aber gut und ich bin guter Dinge für die nächsten Tage…

09.04.2018

Paris-Roubaix

Bild: @gettysport

Paris-Roubaix. Was ein Rennen. Chaos pur. Und doch wird dieses sportlich hochkarätige und einzigartige Rennen von etwas sehr traurigem überschattet.

Gestern Abend haben wir einen Kollegen, einen Teil des Pelotons verloren. Michael Goolaerts erlitt während dem Rennen auf dem 2. Pavée-Stück einen Herzinfarkt und stürzte schwer. Der nur 23 Jahre -und damit genauso alt wie ich- Fahrer verstarb noch am selben Abend im Krankenhaus von Lille und hinterlässt bei uns allen einen großen Schock und Trauer.

Auch von hier aus nochmals mien Beileid an seine Familie, Freunde und Teamkollegen von Veranda Willems!

 

Dennoch ist und bleibt Paris-Roubaix nicht nur das härteste, sondern auch das schönste Rennen im Rennkalender.

Die insgesamt 257km führten von Compiègne über 29 Kopfsteinpflasterpassagen. Dies entspricht etwa 54km über holpriges Pflaster, von denen einige in geradezu katastrophalem Zustand sind.

 

Dadurch, dass seit 2 Jahren das gesamte Rennen von Kilometer 0 an live im Fernsehn übertragen wird, wird von Anfang an gleich richtig Radrennen gefahren und der Kampf um die Spitzengruppe ist groß... Demnach ging es auch ein bisschen bis die Gruppe stand. Mit dabei für uns Silvan Dillier.

Dahinter kkonnten wir im Feld nochmals durchatmen, bevor es dann nach 93km auf den ersten Kopfsteiunpflasterabschnitt ging. Wie zu erwarten wurde es extrem schnell und hektisch.

Auch die zu erwartenden Stürze blieben nicht aus und wir waren auch prompt schon gleich auf dem 1. Sektor allesamt hinter einem Sturz aufgehalten.

Ich hatte dabei Schwierigkeiten an den gestürzten Fahrern vorbeizukommen und verlor viel Zeit. Dementsprechend lange jagte ich auch hinter dem Feld her.

Bild: @JeredGruber

Um genau zu sein kam ich nie wieder zurück. Nach dem Wald von Arenberg war das feld bereits in viele kleinen Gruppen zersprengt und ich stürzte auch noch unglücklich in einer Kurve.

Auch wenn vor und hinter mir viele Fahrer an der Verpflegung ausstiegen wollte ich nach Stürzen und Defekten in den letzten beiden Jahren dieses Mal unbedingt ins Velodrom und fuhr weiter.

Bei jedem anderen Rennen wäre ich wohl ausgestiegen aber Paris-Roubaix ist eben was besonderes! Ein Mythos dem man Respekt zollt und eben nicht einfach aufgibt sondern sich bis zum Ende durchkämpft!

Während ich 20 Minuten hinter der Spitze unglaubliche Qualen erlitt und ebenfalls durch die Hölle (des Nordens) ging fuhr mein Trainings- und Teamkollege Silvan Dillier das Rennen seines Lebens und biss sich am Hinterrad von Sagan fest um als 2. den Zielstrich zu überqueren!

Ich selbst kam 23 Minuten pünktlich zur Siegerehrung angetrieben von den zahlreichen Fans, die einen geradezu über das Pflaster schrien ins Ziel.

Auch wenn der Zweite oft schon als erster Verlierer abgestempelt wird feierten wir Rang 2 wie einen Sieg.

Bei Paris-Roubaix muss einfach alles stimmen: Form, Position und das nötige Glück.

Bild: @gettysport

Nachdem ich mir nach der Flandernrundfahrt noch eine Bronchitis eingefangen hatte und die ganze Woche Antibiotika nehmen musste kam ich geradenoch rechtzeitig wieder in Schwung, war natürlich aber noch nicht bei 100% angelangt. Dazu kam dann noch das nötige Pech im falschen Moment und mir blieb nichts anderes übrig als dem Feld verzweifelt hinterherzujagen...

Nichtsdestotrotz bin ich aber trotzdem zufrieden im Velodrom angekommen zu sein; denn Paris-Roubaix hat seine eigenen Regeln...und dazu dann noch ein 2.Platz im Team! Was will man mehr?

Bild: Fred Machabert

Nach meiner guten Arbeit in dieser Klassikersaison und zahlreichen Verletzungen im Team gab es für mich eine kleine Planänderung.

 

Die Eintagesrennen in Frankreich fallen für mich aus. Stattdessen mach ich jetzt sofort Pause und steige bei der Tour de Romandie am 24. April wieder ins Renngeschehen ein.

Nach 2 kurzen Nächten zu Hause fliege ich dann schon weiter nach Israel zum Start des Giro d'Italia!

Einziger Nachteil ist, dass ich wohl das (Heim-)Rennen in Frankfurt verpassen werde auf das ich mich schon sehr gefreut habe.

Aber für einen Giro ist das schon okay ;)

Bilder: Jered Gruber ; @gettysport ; Fred Machabert

02.04.2018

Flandernrundfahrt

Foto: @Fredmachabert

Was ein Rennen! Es gibt nichts vergleichbares, das es mit der Flandernrundfahrt aufnehmen könnte!

Die ganzen belgischen Radsportfans, die schon Tage zuvor an der Strecke campen und selbst dort auf die Fahrer warten wenn sie die wichtigsten Rennpassagen noch ein letztes Mal im Training abfahren...

 

Doch so schön wie die Flandernrundfahrt auch sein mag,  desto härter war sie auch.

265km quer über die flämischen kleinen Straßen und die steilen "Hellinge" -teilweise auch mit Kopfsteinpflaster- hinauf.

 

Die ersten 70 Rennkilometer waren extrem hart.

Es mag im TV vielleicht nicht so ausgesehen haben aber wir sind da echt Anschlag gefahren.

Wir hatten über 1,5h einen Schnitt von knapp 47 km/h und das auf Regennasser Fahrbahn mit ihren ständigen Richtungswechseln und Antritten.

 

Doch lange Zeit wollte sich einfach keine Gruppe formen und das Gespringe ging munter weiter.

Erst nach 70km kehrte dann fürs erste etwas Ruhe ein und ich nutzte die Gelgenheit um meine komplett durchgeweichte Jacke auszutauschen und etwas Trockenes anzuziehen.

Foto: @gettysport

Viel Zeit zum Entspannen blieb aber nicht, denn nach 83km ging es schon auf die ersten Kopfsteinpflasterabschnitte wo wir vorne rein fahren wollten um eventuellen Problemen aus dem Weg zu gehen.

Dies war dann wie bei den bisherigen Klassikern auch meine Aufgabe.

Ich stand also schon früh im Wind und arbeitete für meinen Leader Oliver Naesen.

Bis kurz vor der legendären Muur lief für uns alles nach Plan.

Ich fühlte mich gut und auch Oli war in bester Verfassung.

 

Doch unsere Pechsträhne, die uns bereits während der gesamten Klassikersaison verfolgte, wollte auch beim wichtigsten Rennen des Jahres nicht abreissen.

 

Oliver war erneut in einen großen Sturz verwickelt und verlor viel Zeit und gleich 2 Helfer, die nach dem Sturz das Rennen beenden mussten.

 

Ich selbst kam gerade noch so an dem Sturz vorbei und fuhr somit vorne über die Muur. Anschließend ließ ich meine Gruppe fahren unnd wartete auf Oli der von Gruppe zu Gruppe nach vorne fuhr und half ihm wieder zum Feld aufzuschließen.

 

Im weiteren Verlauf ging ich noch einige Attacken mit, doch als es über die 200km hinaus ging fingen meine Kräfte langsam an zu schwinden, was mitunter auch an den ganzen Anstrengungen lag, die ich im Vorfeld unternommen hatte um das Team zu unterstützen.

 

Foto: @gettysport

Als es dann die 2. Passage über den Oude Kwaremont anstand, war ich viel zu weit hinten positioniert und fand  mich in einer abgehängten Gruppe wieder.

Nichtsdestotrotz kämpfte ich vergeblich weiter und kam auch fast wieder ran als es über den Koppenberg ging.

Die letzten 30km nahm ich fast nichts mehr um mich herum war und fuhr wie in Trance noch ins Ziel.

 

Die Ronde hat mir echt alles abverlangt und ich bin froh es in meinem 3. Anlauf ins Ziel geschafft zu haben. Einmal im Ziel war ich vom Kopf her nicht in der Lage noch irgendetwas zu Papier zu bringen, sodass dieser Bericht hier erst heute (Montag) erscheint.

Für das Team bin ich aber doch enttäuscht. Wir arbeiten allesamt so gut zusammen und treten souverän auf aber das Glück ist einfach nicht auf unserer Seite...

Nächste Woche geht diese Kampagne der Klassiker dann mit der "Königin" zu Ende.

Nach 3 (hoffentlich) erholsamen Tagen zu Hause -für die ich nach über 2 Wochen in Belgien echt dankbar bin- fliege ich am Mittwoch schon wieder in die Hölle des Nordens zu Paris-Roubaix!

Foto: @gettysport
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