20.07.2016

Polenrundfahrt

Nach einer längeren Trainingsphase stand letzte Woche mein nächstes Saisonhighlight an.

Als Teil der World Tour (höchste Kategorie) bot die Polenrundfahrt anspruchsvolle und vor allem lange Rennen auf hohem Niveau!

 

Währrend der ersten 3 Tage arbeitete ich eifrig im für unseren Teamkapitän JC Peraud (ehemals 2. bei der Tour de France), damit dieser vor den schweren Etappen möglichst viele Kräfte sparen konnte.

Da diese "Eröffnungsetappen" ein eher flaches Profil hatten, waren alle Weichen auf einen Massensprint gestellt, der auch jedes Mal eintrat.

 

Ich verrichtete stets meinen Dienst als Helfer; fuhr also im Wind, holte Flaschen und übernahm andere Aufgaben um JC zu schützen.

Dabei durfte ich im Finale nach betaener Arbeit ausscheren um am nächsten Tag wieder einsatzbereit zu sein.

 

Im Nachhinein ist es extrem schade, dass ich auf den ersten 4 Etappen bereits 12 Minuten verloren habe, da auf der extrem schweren 5. Etappe sich alles drehte:

 

bei Temperaturen von unter 10 Grad und Dauerregen kam es zu extrem vielen Stürtzen. Mich erwischte es bereits nach nur 8km. Mit nur oberflächlichen Verletzungen konnte ich das Rennen jedoch fortsetzen.

Während das Wetter im schlechter wurde, fühlte ich mich immer besser und merkte, dass ich in den Anstiegen ohne Probleme mitfahren konnte, während immer mehr Fahrer auf Grund von Stürtzen und Kälte das Rennen aufgaben.

 

Etwa 145km war dann auch für unseren Leader Jean-Christophe Peraud schluss. Komplett durchgefroren ging er aus dem Rennen, woraufhin wir alle freie Fahrt erhielten.

 

Am nächsten Anstieg wurde das Tempo dann erstmals verschärft, sodass bereits 120km vor dem Ziel das Feld in Zahlreiche Einzelteile zerbrach.

Als einziger meines Teams war ich noch unter den gut 35 Mann vertreten, die Jagd auf die Spitzengruppe machten.

Gut 60km vor dem Ziel fuhren wir dann auf diese auf, was neue Attacken mit sich brachte. Erneut wusste ich auf diese Tempoverschärfungen zu antworten und kletterte zusammen mit Fahrern wie Simon Yates oder auch Gilbert, Roche und Ulissi hinauf zur Bergwertung.

Völlig überrascht noch unter solch großen Namen vertreten zu sein, als nur noch gut 15 Mann übrig geblieben waren ergriff ich die Initiative und setzte mich mit 1 weiteren Fahrern ab. Gemeinsam fuhren wir im nächsten Anstieg 2 Minuten auf das Feld heraus, konnten ber nicht auf Tim Wellens auffahren, der als letzter noch von der alten Spitzengruppe übrig geblieben war.

In der Abfahrt stürzte ich erneut auf spiegelglatter Fahrbahn, konnte aber sofort wieder weiterfahren und auf meine Fluchtgefährten aufschließen.

 

Dahinter organisierte sich das Feld (in der Abfahrt waren wieder einige Fahrer zurückgekommen) leider sofort wieder hinter uns und holte uns 20km vor dem Ziel wieder ein.

In der letzten Runde konnte ich aufgrund meines Ausreissversuchs nicht mehr ganz vorne mitfahren und beendete das Rennen unter apokalyptischen Verhältnissen nach 230km, 4000hm und 6h15 im Sattel auf dem 19.Platz!

Die letzten Fahrer kamen hier gut 1h nach dem Sieger ins Ziel, wobei nur 100 von 186 Fahrern überhaupt das Ziel sahen!

 

die 6. Etappe zeigte sich auf dem Profil noch schwerer, als die 5., wurde dann aber von 200 zunächst auf 160, dann auf 120km verkürzt, da der Regen noch schlimmer wurde als am Vortag und zahlreiche Erdrutsche entlang der Strecke hervorrief.

Bereits bei der Fahrt zur Strecke standen wir im Stau, da die Feuerwehr und sogar 1 Bagger (!) die Rennstrecke wieder freiräumten.

Als wir dann endlich zum Start rollten um uns einzuschreiben, waren wir bereits nach 500m vollkommen durchnässt. Dann hiess es der Start sei auf ungewisse Zeit verschoben worden. Durchnässt warteten wir also in der Kälte auf den Start.

Dann eine halbe Stunde später ging es dann doch los. Jetzt aber nur noch 2 Runden und die erste Abfahrt neutralisiert.

Aber schon hier zeichnete es sich ab, dass es vollkommen verrückt war unter diesen Umständen ein Rennen ausrichten zu wollen! Das Wasser stand zum Teil bis zu 20cm hoch auf der Straße; überall war Dreck und es goss in strömen.

Meine Bremsen funktionierten kein bisschen und ich fuhr auf gut Glück durch den Nebel.

Das Feld beschloss 1 Runde neutralisiert zu fahren und dann weiterzusehen. Aber auch die anderen Fahrer waren um ihre Gesundheit besorgt, sodass einige Fahrer auf die Organisation einredeten um das Rennen nach nur einer Runde ohne Sieger zu stoppen.

Eine gute Entscheidung!

Ich habe noch nie etwas vergleichbares gesehen oder erlebt und ich war froh wieder im Bus zu sitzen!

 

Zum Abschluss stand dann noch ein welliges Zeitfahren an, dass ich on einer akzeptablen Zeit im Mittelfeld beendete.

Am Abend blieb dann noch etwas Zeit für etwas Kultur: der Veranstalter hatte zur Besichtigung der Salz,ine bei Krakau geladen.

 

Alles in allem verlief diese Polenrundfahrt für mich mehr als gut.

Ich beendete das Rennen auf Platz 28 in der Gesamtwertung und konnte ein Ausrufezeichen bei der schweren 5. Etappe setzen, mit dem ich sogar mich selbst überraschte, da dieses Ergebnis völlig unerwartet kam

Fotos: Gettysport

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