Foto: Jered Gruber

Giro d'Italia

27.05.2018

Etappe 21

Die letzte von 21. 3 Wochen Qualen auf dem Rad. Wunderbare Momente an die man zurückdenken kann. Vor 3 Wochen gingen wir in Jerusalem an den Start. Ein historischer Moment.  Im weiteren Verlauf haben wir dann die Wüste durchquert, haben Sizilien besucht, sind auf den Etna geklettert, nur um uns dann quer durch Italien nordwärts zu bewegen. Über Alpen und Dolomiten. Selbst die Flachetappen waren schnell. Doch heute sind wir in Rom. Bella Roma für die letzte von 21.

Die Organisation hatte auch an diesem letzten Tag eine Überraschung für uns parat. Ein 11km langer Rundkurs, der nicht technischer und gefährlicher hätte sein können. Kopfsteinpflaster und ungefähr 1000 Kurven.

Alle gingen mit dem Gedanken an ein Showlaufen an den Start. Jeder gratulierte jedem für die Strapazen der letzten 3 Wochen. Nachdem wir aber eine Runde auf dem Kurs gefahren waren wurde schnell klar, dass ein offenes Rennen zu einem echten Gemetzel geführt hätte. Die Juri traf dann die richtige Entscheidung, die Zeit nach 3 Runden zu stoppen, sodass es danach nur noch um den Etappensieg ging.

Ich nutzte die Gelegenheit um nochmals in die Offensive zu gehen. So verbrachte ich den Tag in der Spitzengruppe, konnte am Ende den Sprinterteams aber nichts entgegensetzen.

 

Jetzt bin ich erst einmal überglücklich meine erste Grand Tour beendet zu haben. Einen detaillierteren Rückblick werde ich wohl erst die nächsten Tage anvisieren, sobald alles etwas abgesagt ist.

Jetzt schaue ich erstmal ob ich irgendwo ein Bier und eine Pizza finde ;)

Ciao tutti

Euer Nico

26.05.2018

Etappe 20

Foto: Jered Gruber

 

Gestern war es ja schon verrückt. Aber heute war es nochmal dasselbe in grün. Ich merkte schnell, dass mir die Anstrengungen von gestern noch tief in den Knochen steckten. Das Astana Team konnte aber offensichtlich sehr gut regenerieren und schlug sofort nachdem die Gruppe stand ein extrem hohes Tempo an. Wir fuhren also 90km in einer Reihe. Immer wieder überprüfte ich meinen Sicherheitsgurt um sicher im Feld angeschnallt zu bleiben. Dann die Erlösung: der erste der 3 langen Anstiege. Direkt unten scherte ich rechts aus und fuhr mein Tempo. Schnell war klar, dass ich nicht der einzige war der die Notbremse zog. Ich fand mich in einer riesigen Gruppe wieder. Im Prinzip blieben 30 Mann vorne übrig die Radrennen spielten während der Rest dahinter ums überleben kämpfte, wie es Christoph Pfingsten wunderbar philosophisch beschrieb.

 

Doch auch der heutige Tag war für eine Überraschung gut: Nachdem Yates bereits gestern explodierte folgte heute mit Thibaut Pinot der nächste Superstar. Der diesjährige Giro hat auf jeden Fall Spuren hinterlassen. Über 3 Wochen war es extrem schnell und es gab nur einen einzigen Tag an dem man sich etwas erholen konnte. Mir blieb gestern und heute nichts anderes übrig als zuzuschauen und in den Überlebensmodus umzuschalten, während die ganzen Mopeds vorne rumknatterten.

Doch Rom ist nahe. Wir fliegen jetzt mit einer Charter Maschine von Turin nach Rom für das abschließende Kriterium.

Domani e finito

Euer Nico

25.05.2018

Etappe 19

Foto: @gettysport

Wenn man denkt es geht nicht noch verrückter, dann hat man falsch gedacht.

Zu Beginn war ich extrem scharf auf die Gruppe um mit etwas Vorsprung ins Finale zu gehen und gegebenenfalls noch als Relais-Station für Alex zu fungieren. Hier schoss ich mir aber selbst ins Bein. Nachdem ich gestern die Gruppe verpasst habe, war ich heute wohl etwas übermütig und wurde vom Gummiband zurückgezogen. Der klassische Jojoeffekt. Am Anfang noch ganz vorne und dann nach hinten katapultiert. Bereits am ersten Anstieg war ich unten rein schon voll Anschlag und schnell abgehängt. Ich konnte aber einen guten Rhythmus bis oben fahren und schloss in der Abfahrt dann die knappe Minute Rückstand auf das bereits stark dezimierte Peloton.

Bereits vor dem Colle delle Finestre stand das Grupetto mit knapp 80 Mann rund um Viviani.

Im Tal ging ich dann noch mal Flaschen holen und brachte die anderen vor den ersten Rampen in Position. Von jetzt an begann mein Leiden. Den gesamten Aufstieg zum Finestre hoch hatte ich Probleme und kein Ende in Sicht. Erst beim 3km-Schild tat sich wieder ein Hoffnungsschimmer auf und ich gab nochmal alles auf der Naturstraße bis hoch zum Gipfel; Wieder Vollgas durch die Abfahrt um nicht alleine im Tal fahren zu müssen. Unten waren wir dann zu 4. Jetzt gab es nur 2 Optionen: entweder auf das Gruppetto 10 Minuten hinter uns zu warten oder Augen zu und auf die Gruppe vor uns aufschließen. Wir schlossen auf. Unterwegs bin ich wohl 100 Tode gestorben aber oben in Sestriere waren wir dran. Dann die große Überraschung: ich fand mich in der Gruppe um das Rosa Trikot wieder. Während ich hinten meinen ganz eigenen Kampf ums Überleben führte hatte ich gar nicht mitbekommen was vorne im Rennen abging.

In der langen Abfahrt konnte ich mich dann etwas erholen, sodass ich immer weniger über Kreuz schaute.

Der letzte Anstieg verlangte mir aber dann nochmal alles ab. Durch die Belastung konnte ich am Ende nichts mehr essen und auch die zuckrigen Energiegetränke wollten nicht mehr runter gehen, sodass bei mir 3km vor Ziel komplett die Lichter ausgingen. Ich schleppte mich dann noch irgendwie ins Ziel. Nach dieser absoluten Monsteretappe ist Rom nun aber schon fast in Sicht.

Domani nochmal Vollgas und dann ist es auch schon geschafft!

Ciao tutti et buona notte

Euer Nico

Foto: @gettysport

24.05.2018

Etappe 18

Bild: @gettysport

Es fällt mir schwer meine Enttäuschung in Worte zu fassen. Nach dem gestrigen Tag und der Aussicht auf 2 hammerharte Etappen vermuteten wir schon, dass die heutige Gruppe durchkommen könnte. Aber dass das Peloton so große Geschenke verteilt, damit hätte ich nicht gerechnet.

Wie das Leben eben manchmal so spielt, kann man halt nicht immer vorne sein. Als die Gruppe schon stand und auf voller Fahrt war sprang ich zwar noch hinterher, blieb aber 30m dahinter im Gegenwind hängen. Als das Feld das Tempo dann komplett rausnahm begann der Vorsprung immer größer zu werden. Ich ärgerte mich im Feld grün und blau nicht vorne zu sein. Das der Vorsprung dann immer noch um die 15 Minuten betrug minderte das Ganze nicht wirklich. Mir blieb also nichts anderes übrig als im vor sich hindümpelnden Hauptfeld mitzurollen. Im letzten Aufstieg nahm ich dann aber sofort Schub raus, als es anfing hochzugehen. Kräfte sparen. An morgen denken. Denn wenn nicht heute dann eben morgen…

A domani

Euer Nico

23.05.2018

Etappe 17

Foto:@gettysport

Schon wieder ein absoluter Vollgastag! Normale Etappen gibt es bei diesem Giro offensichtlich nicht. Wie schon bei der 10. Etappe ging es gleich nach dem Start bergan. Von Riva del Garda durch 2 lange Tunnel hinauf bis zum Kilometer 10 wo sich der erste Bergpreis befand.

Durch einen Defekt während der Neutralisation wurde der scharfe Start erst nach 6km gegeben, sodass nur noch 4km Anstieg übrig blieben. Jetzt war klar, dass die Sprinter sich auf so kurzer Distanz nicht weit genug abhängen lassen würden.

Vor Beginn der Etappe schielte ich noch mit 1,5 Augen auf die Spitzengruppe. Als ich dann aber sah, dass Bora noch im Aufstieg alles im Griff zu haben schien und das Tempo kontrollierte war schnell klar, dass die Gruppe heute nicht durchkommen sollte.

Was aber dann geschah muss vor dem Fernseher wohl richtig Spaß gemacht haben: Bora nahm die Abfahrt Vollgas, holte die erste große Gruppe wieder ein und das große Gesprungen ging weiter. Es hatte wohl niemand erwartet, dass etwas derartiges geschehen könnte. Bis zur Verpflegung bei Kilometer 105 schaltete ich nur selten vom 11er Ratzel herunter. Das Feld fuhr einfach Anschlag, den ganzen lieben langen Tag. Dann gab es einen kurzen Moment zum Luft holen, den Viviani zum Radwechsel auf seine Aero-Maschine nutzte. Wer dann aber nicht schnell genug vom Pinkeln zurück kam sollte im weiteren aber richtig leiden, denn weiter ging die wilde Fahrt. Die Streckenführung schlängelte sich durch zahlreiche enge Gassen und Dörfer, sodass ich mich im Finale schon fast wie in einem Klassiker fühlte. Rechts Links Hoch Runter. Wer nicht vorne war bekam nach jeder Kurve den Ziehharmonikaeffekt zu spüren. Gut das wir vorne waren.

Unser Sprinter war unterwegs abgehangen worden, sodass wir keine echte Option für den Sprint hatten.

Am Ende entschieden wir uns dafür Alex so weit vorne wie möglich auf die Zielgerade zu bringen. Mit dem einsetzenden Regen wurde es dann aber doch echt gefährlich und ich sah auch nichts mehr. An der 900m Marke waren wir noch an Vivianis Hinterrad, fielen dann aber schlagartig zurück als von rechts und links die Sprinter ihre Ellbogen ausfuhren.

Mit Platz 15, 18 und 20 für mich sind wir aber trotzdem noch ordentlich positioniert.

 

Jetzt sind es nur noch 3 Etappen vor Rom und (mal abgesehen von Chaves, der die Etappe von Yates bekommen hat) noch immer ist keine Ausreissergruppe durchgekommen. Ich hoffe das ändert sich die nächsten Tage noch. Ich konnte heute auf jeden Fall wichtige Körner sparen dadurch, dass ich mich mit attackieren zurückhielt. Bora war heute einfach zu souverän um etwas zu probieren…

A domani

Euer Nico

Foto:@gettysport

22.05.2018

Etappe 16

Foto: Fred Machabert

Für viele war das heutige Zeitfahren sowas wie ein Geschenk des Hauses. Sozusagen ein zweiter Ruhetag. Ich wollte aber sehen wie ich mich fühle und bin voll losgefahren. Deswegen bin ich auch morgens vor dem Frühstück schon 50 Minuten rollen gegangen um für diesen (zeitlich gesehen) nicht ganz so umfangreichen Tag in Schwung zu kommen.

Ich bin also wie gesagt relativ zügig losgefahren und habe gemerkt, dass es ziemlich gut ging. Also habe ich weiterhin draufgedrückt.

Bereits nach 3 km hatte ich den ersten Fahrer aufgefahren -dieser hatte sich wohl für den 2. Ruhetag entschieden ;)

Dann 3km vor dem Ziel auf dem 34km langen „Drückerkurs“ fuhr ich den 2. Mann auf. Kurz vor einer Rechtskurve war ich an seinem Hinterrad. Hier muss ich für einen kurzen Moment die Konzentration verloren haben, denn ich schätzte die Kurve vollkommen falsch ein und steuerte geradewegs auf die Bande zu. Dann bremste ich abrupt, mein Hinterrad rutschte auf der regennassen Straße weg, aber ich konnte mich noch abfangen. Ich sah dass die Bande mit Matten ausgepolstert war und schaffte es mich so zu drehen, dass ich seitlich gegen die Matratzen fiel, dabei aber immer noch auf meinem Zeitfahrvelo saß. Ich lehnte mich also nur kurz an den Gittern an. Diese gaben dann jedoch nach, sodass ich doch noch ausklicken musste und einiges an Zeit verlor. Glücklicherweise ist aber nichts weiter passiert. Ich muss mich wohl bei der Organisation bedanken, die diesen kritischen Streckenpunkt gut ausgepolstert hat. Neben wertvollen Sekunden verlor ich aber vor Allem meinen Rhythmus und schleppte mich dann noch irgendwie bis ins Ziel. Meine Zeit betrug genau 42 Minuten, was exakt 2 Minuten hinter Sieger Rohan Dennis Platz 26 bedeutet. Für mich eine echt starke Performance mit der ich sehr zufrieden bin.

Ich weiß auch nicht was mit mir im Moment los ist und ich bin selbst überrascht über das, was ich zur Zeit abrufen kann. Aber solange es läuft sollte man sich nicht beschweren, sondern einfach genauso weitermachen. Das werde ich auch die nächsten Tage tun!

 

Nach dem Zeitfahren rollte ich mich zunächst ein paar Minuten auf dem Hometrainer aus um auf meine Teamkollegen zu warten, die nur kurz hinter mir gestartet waren. Zusammen machten wir uns dann auf den Rückweg ins Hotel. Durch das Rennen waren aber einige Straßen gesperrt und der Radweg führte auch kreuz und quer durch die Gegend. Um es kurz zu machen: Wir haben uns gnadenlos verfahren und sind ordentlich im sch**ß rumgefahren. Das schlimmste an Allem: Nach so einer intensiven Belastung kann ich nicht sofort was essen und habe lediglich meinen Recovery-Shake (Mischung aus Proteinen und Kohlenhydraten) zu mir genommen eine Tüte „Compot de pomme“ (Apfelmuss aus der praktischen fast-so-wie-caprisonne-tüte) ins Trikot gesteckt und los gings.

Nach mehr als einer halben Stunde fing mein Magen aber doch lautstark an zu rumoren und ich näherte mich gefährlich einem Hungerast, sodass ich meine 2 Begleiter zu einem Stop in einer Bar drängte. Diese ebenfalls froh über meinen Einfall willigten sofort ein.

Ein Stück Apfelkuchen und eine Cola später waren wir auch schon wieder unterwegs und kamen dann -besser spät als nie- wohlbehalten am Hotel an.

Gut das wir relativ früh fertig waren und trotz unserer „Jardinage“ noch genug Zeit zum Erholen haben.

À domani

Euer Nico

21.05.2018

3. Ruhetag

Foto: Fred Machabert

Während zu Hause in Deutschland vielleicht schon so manch einer Giro-Entzugserscheinungen bekommt, verzweifelt Eurosport einschaltet und vergebens die heutige Etappe anschauen will, kommt hier am Gardasee schon fast Urlaubsstimmung auf.

Zu Beginn ein gemütliches Frühstück im Kreise der (Radsport-)Familie; heute endlich mal wieder ohne Reis. Ein Smoothie, frisch und eisgekühlt serviert vom teameigenen „Chef de Cuisine“ (Koch) mit Blick auf den zauberhaften Hotelpool.

Aber auch der obligatorische Espresso in einer kleinen Strandbar direkt am See hatte seinen Charme.

 

Doch so ganz viel Urlaub war dann heute trotzdem nicht. Es heißt zwar Ruhetag aber ich war dennoch fast den ganzen Tag in Bewegung: Noch vor der Streckenbesichtigung des morgigen Zeitfahrkurses nahm ich zusammen mit Bernd Landwehr vom Cyclingmagazine als Gast-Co-Redner eine neue Podcast-Folge auf. Wer Zeit hat sollte unbedingt kurz reinhören ( http://www.cyclingmagazine.de/2018/05/21/der-radsport-podcast-folge-8-mit-nico-denz-beim-giro-ditalia-2018/ )

 

Das Zeitfahren erwieß sich als absoluter Rollerkurs. Es wird morgen wohl -trotz angesagtem leichten Gegenwind- ein sehr schnelles Rennen werden, bei dem die pure Kraft entscheidend sein wird.

Hin- und Rückweg bewältigte ich im Auto, sodass ich lediglich eine gute Stunde auf dem Rad saß.

Den Nachmittag verbrachte ich wie die beiden anderen Ruhetage ebenfalls mit Beine hochlegen, Massage und Osteo. Zu meiner absoluten Begeisterung ist unser Hotel auch mit einer Sauna ausgestattet. Das musste ich als Hardcore-Sauna-Suchti natürlich direkt ausnutzen. Die letzten 2 Wochen hat mir meine Sauna schon sehr gefehlt :P

 

Ich fühle mich auf jeden Fall soweit gut erholt und freue mich schon auf die schmerzhafte letzte Woche aber noch viel mehr auf meinen Schatz zu Hause (7 Tage to go -bleib stark mein Herz)

Foto: Fred Machabert

20.05.2018

Etappe 15

Foto: @gettysport

Was soll man machen? Seit Beginn dieses Giros fühle ich mich super stark. Ich merke Tag für Tag, dass ich ihn endlich gemacht habe, diesen letzten Schritt nach vorne. Endlich kann ich mein wahres Niveau zeigen. Nach einem Jahr zum Vergessen bin ich überglücklich endlich vorne mitzufahren und um den Sieg mitkämpfen zu können. Doch muss ich mich heute ganz dick bei Team Education First-Drapac bedanken. Wären die nicht gewesen, wäre ich wohl durchgekommen.

 

Doch jetzt mal ganz langsam von vorne:

Heute war auf die Plätze fertig Vollgas. 1:30 Stunden lang fuhren wir volles Rohr, bis die Gruppe dann oben über den ersten Anstieg ging. Bei Kilometer 48. Ich war gleich dabei, doch wir waren nur zu 4. Und gleich 2 vom Team. Da dachte ich mir nur so olalala vielleicht waren wir da doch etwas übermütig…Gott sei Dank kamen dann in der Abfahrt aber noch ein paar Fahrer nach vorne, sodass das Ganze wieder interessanter wurde. Lediglich Education First-Drapac waren mit der Situation unzufrieden und organisierten die Verfolgung hinter uns 30 Fahrern.

Wir waren gleich mit 3 Mann vorne vertreten, doch es lief nicht so richtig rund in der Gruppe, sodass am erstbesten Anstieg gleich das Tempo erhöht wurde. Oben blieben nur noch 4 Mann übrig. Mit dabei Mika und ich. Wir gingen Vollgas durch die Abfahrt und waren unten nur noch zu zweit. Also warteten wir auf Dayer Quintana der nur kurz hinter uns war.

Vor dem nächsten Anstieg schlossen dann noch Ciccone und Visconti von hinten zu uns auf. Ciccone setzte sich an die Spitze und fuhr sein Tempo über den ekligen nächsten Anstieg, sodass nur noch ich an seinem ‚Hinterrad übrig blieb. Oben hatten wir nur noch 20 Sekunden Vorsprung und ich setzte wieder alles auf die Abfahrt. Unten war ich jetzt noch alleine aber dafür mit 40 Sekunden vor den Favoriten. Jetzt blieb nicht mehr viel Spielraum zum Überlegen und es hieß richtig tief gehen.

Leider war mein Vorsprung nicht groß genug und ich wurde auf halbem Weg zur Bergwertung von Yates überrannt, konnte mich dann aber in der Verfolgergruppe um Chris Froome festbeißen und in die Abfahrt retten.

Mit einem letzten Kraftakt löste ich Poels noch 2-3 mal in der Führungsarbeit ab um das Loch nach vorne für Alex möglichst klein zu halten. Dann scherte ich völlig entkräftet aus und schaute nur noch über Kreuz. Die erneut zahlreichen Zuschauer feierten mich aber wie einen Sieger und ließen mich meine Schmerzen fast vergessen.

Im Moment bin ich noch im Bus auf einem langen langen Transfer nach Torbole, wo wir morgen den letzten Ruhetag vor der letzten Woche verbringen werden.

Ich werde diesen Tag mehr als brauchen, denn heute Abend bin ich fertig mit der Welt.

Buona Notte

Euer Nico

 

Achso und ja. Die Verfolgungsarbeit der Drapac-Jungs hat sich echt gelohnt. Ein 22. Platz ist immerhin ein herausragendes Ergebnis. Ohne den Leuten dort näherzutreten muss ich sagen, dass ich hoffe, dass Yates etwas von seiner Prämie abdrückt, denn immerhin haben sie seinen Etappensieg vorbereitet :P

Aber so ist nun mal das Leben und jedes Team hat seine eigene Taktik und Träume…

19.05.2018

Etappe 14

Foto: @gettysport

Magic, mystic, Zoncolan. Ein echter Mythos erwartete uns heute im Finale. Der steilste / schwerste Anstieg Europas.

Doch auch die 175km Anlauf waren alles andere als einfach.

Bereits nach 40km wartete die erste Bergprüfung auf uns.

Glücklicherweise stand die Gruppe zu diesem Zeitpunkt schon, denn bis dorthin war richtig Zug drauf.

Am Fuße eben dieses Anstiegs konnten sich dann 7 absetzen. Auch wir hatten wieder einen mit dabei.

Im Feld nahmen wir die steilen 3km noch gemäßigt in Angriff. Erst bei der zweiten Bergwertung wurde es schneller. Unter dem Tempodiktat von Scott fuhren wir über die Kuppe und mit voll Schub durch die Abfahrt, sodass das Feld unten gerissen war, aber genauso schnell wieder zusammen lief.

Ich fühlte mich bis dahin prächtig und hatte noch kräftig Körner gespart. Die letzten 50km wurden dann aber richtig schwer. Nochmal 2 Anstiege einer davon ähnlich steil wie der Zoncolan leiteten das Finale ein. Bereits am ersten der beiden explodierte das Feld. Ich hatte die Aufgabe Alex unten reinzufahren, dann zu schauen ob ich mit rüber kam und dann evtl wieder zu fahren.

Naja ich kam nicht rüber. 1,5km vor der Kuppe musste ich reißen lassen. Mit meinem kleinen „Rettungsring“ den ich mir bei den Klassikern zugelegt hatte war ich für diese Rampen einfach zu schwer.

In der Abfahrt kam ich aber nochmal zurück, nachdem ich mich nur 30 Sekunden hinter dem Feld über die Kuppe gequält habe. Dann der nächste Anstieg. Etwas gemäßigtere Steigungen als noch zuvor, aber noch immer gleich hohes Tempo. Wie gewünscht spielte ich nochmal die Aufzugkarte und lieferte die Bergflöhe vorne ab. Hiermit war meine Arbeit beendet. Ich konnte leider nicht mehr mit über die letzte Bergwertung fahren, sodass ich bereits abgehängt unten in den Zoncolan reinfuhr.

Erwartet hatte ich gegen eine Mauer zu fahren, aber die zahlreichen Zuschauer schrien mich förmlich nach oben. Die ein oder andere helfende Hand gab mir dann auch noch einen Schubs sodass die Schilder nur so an mir vorbeiflogen; 10km - 9km -8km...und hopp durch die Tunnels und schon war ich da. Geholfen hat mir auch meine Übersetzung. Mit 36-32 waren auch die steilsten Rampen noch relativ erträglich ;)

Morgen wird es nochmal schwer und das ist schon wieder Ruhetag. Das heißt es wird morgen sehr schwer :p

À domani

Euer Nico

18.05.2018

13. Etappe

Foto: @gettysport

Endlich mal ein Sprintertag, der auch für die Sprinter war. Eine erholsame Etappe, die wir uns redlich verdient hatten war uns heute vergönnt. Mal abgesehen von den 5 Mann vorne in der Gruppe und Schilli der mit 2-3 anderen im Feld das Tempo machte ließen es heute alle entspannt angehen.

Ich sparte wichtige Kräfte und konnte nich weiter erholen. Seit meinem Kraftakt auf Etappe 10 lief es doch eher schleppend bei mir. Heute ging aber schon wieder deutlich besser und im Finale arbeiteten wir als Team sehr gut zusammen um Clement Venturini für den Sprint in Position zu bringen. Zum Schluss fehlte dann aber doch die letzte Feinabstimmung um den Sprintzug perfekt zu machen. Nachdem ich über Funk die Bestätigung hatte, dass Clement bei mir am Rad war und ich losfahren sollte, startete ich meinen ganz eigenen Sprint schon am 900m Schild um einige letzte Positionen herauszuholen. Clement wsr aber gar nicht am Rad, sodass ich ins Leere fuhr...

Aber für ein Team, dass nicht unbedingt für seinen Sprintzug bekannt ist haben wir uns doch ganz gut geschlagen.

Mit Platz 8 haben wir nun schon das 6. Top Ten Ergebnis bei diesem Giro. Ein Sieg ist nicht mehr weit...Morgen erwartet uns dann ein ganz anderes Profil. Mit dem Monte Zoncolan erwartet uns ein echter Hammer im Finale, sodass die Bergfahrer wieder gefragt sein werden.

Sorry dass ich heute so spät dran bin, aber ich hatte zwischen Massage, Osteo und Physioanwendungen noch keine Zeit irgendetwas hochzuladen. Komme erst jetzt (22:45) zur Ruhe

A domani

Eier Nico

17.05.2018

12. Etappe

Foto: @gettysport

Der Tag begann doch so schön: Sonnenschein und blauer Himmel. Ein wunderschöner Ausblick auf die hügelige Landschaft von der Terrasse unseres Hotelzimmers aus. Wenn da nicht dieses Radrennen gewesen wäre.

Doch auch dieses begann perfekt: noch auf dem ersten Kilometer gingen 5 Mann. Darin nur italienische Procontinental-Teams.

Die nächsten 3h lieferte ich mir mit François Bidard ein spannendes Battle wer die geringste Durchschnittswattleistung hat. Mit seinen 6kg weniger war er immer bei 4-5 Watt weniger als ich, was mich bei Watt/kg an Platz 1 brachte.

Mein Durchschnittswert pendelte sich bei etwa 143W ein, ging lediglich für einen kurzen Stop für ein natürliches Bedürfnis um krasse 5W nach oben.

Im Finale gesellte sich dann der Regen als Spielverderber dazu und sorgte dafür, dass ein einfach geglaubter Tag sehr sehr sehr sehr hektisch wurde.

Auf einmal Windkante. Viele Leader im 2. Teil des Feldes und Stress pur.

Auch wir waren überrascht worden und Alex musste unbedingt wieder vor. Also hieß es für mich in den Lenker beissen und Loch zu fahren. Der Stress war bei den Leadern so groß, dass ich darum kämpfen musste um mich wieder vor ihnen einzureihen um für sie die Lücke zuzufahren...

Als die Lücke dann zu war war ich total platt und nahm die nächste Ausfahrt ins Gruppetto.

 

Zum krönenden Abschluss eines Tages, an dem meine Beine sowieso schon nicht so locker drehten, wie ich es gerne gehabt hätte, hatte ich dann auch noch einen Reifenschaden.

Nicht nur der Vorderradwechsel dauerte ewig, sondern dann war auch noch meine Kette verklemmt und wollte nicht mehr rauf.

Also Wechsel aufs Ersatzrad. Hier die nächste Überraschung: Mein Ersatzrad Nummer 2, welches ich bisher noch nie gebraucht hatte hatte weder meinen Standartlenker, noch den Sattel den ich normalerweise fahre. Dazu waren beide dann auch noch anders eingestellt...

Vollkommen entnervt rollte ich die letzten 6 Kilometer dann nur noch so daher ins Ziel. Mein Rekordzeitwechsel hat mir nochmal 4 Minuten gratis obendrauf. Bei meinem Status und meiner Position in der Gesamtwertung eigentlich unwichtig aber trotzdem nervtötend...

Jetzt Daumen drücken, dass es morgen schönes Wetter gibt, dann wird ein winfacher Tag auf dem Papier vielleicht auch zu einem einfachen Tag auf dem Rad ;)

Ach ja; wir waren gestern Sieger der Teamwertung und durften deswegen heute aufs Podium :)

16.05.2018

11. Etappe

Foto:@gettysport

Ich habe das Gefühl den anderen war es gestern nicht schnell genug, denn heute war schon wieder so ein Vollgas-Tag. Ich habe mich mittlerweile schon daran gewöhnt, dass beim Giro in der ersten Rennstunde Kriegsstimmung herrscht und die Teams All-In auf die Gruppe gehen. Auch dass immer nur die ganz großen Maschinen vorne sind ist nichts Neues mehr.

Um diesen Maschinen nicht zu viel Vorsprung zu geben muss im Feld auch dementsprechend schnell gefahren werden. Also wie gestern 54-11 Kette rechts und gib ihm! Ein Temposchnitt von ungefähr 45 km/h ließ die Zeit wie im Flug vergehen.

Eines war jedoch neu heute: Ausnahmsweise war die Etappe mal nicht über 200km lang, sondern mit 154km -100km kürzer als gestern- an sich ja schon fast ein Geschenk der Organisation. Teil dieses Geschenks waren aber auch ein paar giftige Anstiege im Finale an denen das Feld ordentlich zersprengt wurde.

Nachdem ich gestern richtig tief gegangen bin, durfte ich mich heute anfangs etwas zurückhalten, bevor ich dann im Finale Alex nach vorne bringen sollte.

Hier habe ich gemerkt, wie sich mein Status über Nacht verändert hatte, während ich normalerweise am unteren Ende der Nahrungskette gestanden habe und somit als erster bei Helferdiensten aufgeraucht wurde, meinte Alex heute zu mir ich solle doch hinter ihm bleiben. Er brauche mich später noch.

Also war ich eben später zur Stelle und brachte ihn 15km vor Ziel nach vorne bevor die heisse Phase begann.

In der Rampe angekommen hatte ich meinen Job erledigt und rollte dann noch locker ins Ziel, während er einen 4. Platz für uns herausholte. Nach 2 schwierigen Tagen hoffe ich zur Abwechslung für morgen auf einen entspannteren Arbeitstag. Wir haben auf jeden Fall einen guten Lauf und finden als Team gut zusammen. Das lässt hoffen auf mehr!

A domani

Euer Nico

15.05.2018

10. Etappe

Bild: @gettysport

Was für ein Tag. An heute werde ich mich wohl noch lange zurückerinnern. Im Moment bin ich noch etwas verwirrt. Ich bin mir nicht sicher ob ich enttäuscht bin nicht gewonnen zu haben oder mich lieber über meinen 2.Platz freuen sollte. Im Moment überwiegt doch eher die Enttäuschung am ganz großen Coup vorbeigefahren zu sein.

Aber trotzdem; es gibt nicht viele solche verrückten Tage und dann am Ende ganz vorne mit dabei zu sein erfüllt mich dennoch mit stolz.

Die Etappe begann schon in der Neutralisation sehr stressig, da jeder vorne sein wollte.

Bei Kilometer 0 dann die Überraschung: Eine große Gruppe setzte sich ab und fuhr fast 3 Minuten heraus. Im Anstieg brach dann aber doch Krieg aus und wir fuhren Anschlag die 16km zur Bergwertung hinauf. Ich hatte mir diese Etappe dick angestrichen und wollte unbedingt in der Gruppe sein. Dementsprechend enttäuscht war ich, als Matteo Montaguti für uns vorne war und es für mich abwarten hieß.

Ich fuhr also und nennenswerte Probleme mit über den Berg und durch die Abfahrt, in der einige Fahrer dann wieder zurückkommen konnten.

Da Chaves -zu diesem Zeitpunkt Zweitplatzierter- einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte und die anderen Favoriten ihn nicht zurückkommen lassen wollten war das Tempo dementsprechend hoch. Die Geschwindigkeit war während der ersten 160km echt extrem hoch und allen tat es weh.

 

Bild: @gettysport

Meine Beine drehten dabei gut mit und als mir meine Teamkollegen alle sagten, dass sie total breit sind, wusste ich, dass das mein Tag war.

Sie sagten mir wenn du was reissen willst ist es heute oder gar nicht, da ich sowohl auf Sprint- als auch auf Bergetappen arbeiten muss.

Also legte ich mir meinen Plan zurecht und folgte De Marchi und Henao an der letzten Bergwertung. Dann drückte ich selber drauf und hatte sofort eine Lücke. Ich wartete. Wir wechselten durch ich drückte erneut über eine Welle und wieder keiner am Hinterrad also voll weiter, alles was ging durch die Abfahrt. Ich fühlte mich fantastisch. Ich hatte einen Tag, wie man ihn nicht so oft hatte.

Ich schloss die Lücke alleine zu Villella und Mohoric in der Abfahrt. Villella wollte aber nicht mitführen, konnte aber alle Tempoverschärfungen mitgehen. Nachdem er mich am Start schon schräg von der Seite angemacht hatte, weil ich mich im engen Feld nicht in Lift auflösen konnte und in die Seite fuhr wollte ich ihn loswerden. Er ließ eine Lücke zu Mohoric und ich ließ ihn erstmal machen. Bis hier fühlte ich mich noch immer super gut. Dann sprang ich nach vorne. Hierbei musste ich richtig tief gehen und ging tief in den roten Bereich.

Die letzten 12 Kilometer fuhren wir also zu zweit. Ich ging zwar mit durch die Führung aber betete, dass er mich nicht angriff, aber er tat es in jeder verdammten Welle. Aber ich biss mich durch.

Im Sprint blieb ich ebenfalls cool. 1300m vor dem Ziel blieb ich stets am Hinterrad und fokussierte mich nur noch auf den Sprint. 500m am Rad. 350m am Rad. 250m er zieht an. 200m ich komme zurück. 150m wir sind Lenker an Lenker. 100m ich verliere 1m gehe richtig tief. Laktat 37. Ich verliere noch 1m. Ich werde 2.

Zweiter der 10. Etappe des Giros. Ein wahnsinns Resultat. 2. einer richtig krassen Etappe, die alle ans Limit gebracht hatte 250km; 4000hm und ich wurde Zweiter.

Ich werde wohl etwas brauchen bis ich das alles realisieren kann und mich darüber freuen kann...

Jetzt gehe ich aber erstmal was essen, denn es gibt ja noch 11 Etappen, also 11 Möglichkeiten ;)

14.05.2018

2. Ruhetag - Pescara

Foto: Jered Gruber

Gestern Abend wurde es dann doch etwas später, sodass ich heute morgen erst spät in den Tag gestartet bin. Nach einem gemütlichen Frühstück schwang ich mich dann doch noch gegen 11 Uhr mit meinen Teamkollegen und unserem Osteopathen für eine Stunde auf mein Pony für einen kurzen Ausritt immer am Strand von Pescara entlang. Nach 15 Kilometern hat das örtliche Verkehrsbauamt dann extra -als hätten wir ihn bestellt- einen Kreisverkehr angelegt, der uns zum umdrehen einlud.

Auf der Rückfahrt wurden wir dann noch von einem kurzen Regenschauer überrascht, der unseren Mechanikern die Arbeit für den Nachmittag sicherte. Wäre ja auch zu schade gewesen wenn sie kein einziges Rad zum Putzen gehabt hätten…

Der Rest von meinem Ruhetag verlief genauso unspektakulär wie gewünscht. Massage, Osteo, Beine hochlegen. Die Standartprozedur eben. Aber ich muss ehrlich sagen, wenn ich mich gestern Abend auch noch nicht so fertig gefühlt habe, war mein Körper doch ganz froh heute mal abschalten zu können.

Die ganze Anspannung der letzten Tage fiel somit von mir ab. Es war auch wichtig dem Kopf auch mal wieder eine Auszeit zu gönnen, denn die Etappen erfordern nicht nur physisch auf den Punkt fit zu sein, sondern auch eine permanente Konzentration während des Wettkampfs.

Morgen werden wir aber wohl schnell wieder in den Rennrythmus zurückfinden, denn gleich zum Start geht es 20km bergauf. Besser wäre es zumindest…

A domani

Euer Nico

13.05.2018

Etappe 9

Foto: @gettysport

Ein langer langer Arbeitstag geht zu Ende und wir gehen nun ins verdiente Wochenende.

Mit 230 Kilometern und 6:30h für meine Wenigkeit kommt der nächste Ruhetag genau im richtigen Moment. Die Gruppe stand zwar -für viele Überraschend- extrem schnell. Um genau zu sein nach etwa 200m Radrennen. Dann fuhr Scott vorne die Arme aus und die schmale Straße war dicht.

Im weiteren Verlauf kontrollierte Scott und hielt die 12 Mann an der langen Leine.

Heute hatte ich etwas mehr Arbeit als gestern noch.

Neben Flasche und Verpflegung holen bin ich ja standardmäßig fürs Windstoppen verantwortlich. Und heute gab es viel Wind. Gerade nach der 1. Bergwertung führte die Strecke noch über ein Hochplateau wo der Wind gefährlich von links drauf stand. Also fuhr ich vorne links um das Team vorne zu halten um nichts anbrennen zu lassen.

45 vor dem Ziel fuhren wir dann auf den zweigeteilten Schlussanstieg zu. Da Astana jetzt schon aufdrehte schlug erneut meine Stunde und ich brachte nochmals meine Bergflöhe nach vorne, nur um mich dann vom Feld zu verabschieden.

Heute war also mein erster richtiger Gruppetto-Tag. Schnell fand ich eine passende Gruppe. Nach dem ersten Teil des Anstiegs nahm meine Gruppe etwas raus, sodass eine weiter zurückliegende Gruppe mit den ganzen Sprintern zu uns aufschließen konnte.

Die letzten Kilometer vor dem Ziel wurde es dann aber echt kalt. Kein Wunder waren wir doch auf 2100m ü.N.N. hochgefahren. Um mich wenigstens etwas aufzuheizen übernahm ich die Führungsarbeit und führte das Gruppetto über die Ziellinie.

Den Weg zurück ins Tal nahmen wir Fahrer mit der Seilbahn um nicht mit dem Rad die 30km bergab fahren zu müssen. Jetzt im Bus bin ich schon im Regenerationsmodus, denn auch wenn morgen Ruhetag ist, ist der Giro noch lang...

Buona Notte

Euer Nico

Foto:@gettysport

12.05.2018

Etappe 8

Foto: @gettysport

Der Tag begann für mich ganz entspannt. Der Weg vom Hotel zum Start war nicht allzu weit und wir waren schon etwas früher dort. Das passte mir gut, da ich noch familiären Besuch am Startort erwartete. Also ging ich schon früh zum Einschreiben um anschließend noch etwas Zeit für sie zu haben. Ich war sogar so früh dran, dass ich der erste war. Umso besser für mich, da ich so noch einige Paninis abstauben konnte.

Anstatt im Bus verbrachte ich die letzte halbe Stunde vor dem Start unter den Zelten der Organisation bei einem gemütlichen Kaffee mit der Familie.

Irgendwann hieß es dann aber doch Abschied zu nehmen und der Arbeit nach zu kommen. Nach dem Startschuss war mein erster Gedanke, dass ich vielleicht doch meine Beine etwas länger hochlegen hätte sollen anstatt im Café rumzusitzen, denn ich hatte in der bisher härtesten Startphase dieses Giro einen echten Klumpfuß an meinem Bein hängen. Nach nur wenigen Kilometern konnte ich diesen aber ablegen und die Beine fühlten sich langsam wieder besser an.

 

Nach 15 Kilometern legte sich der Rausch etwas, bis Tim Wellens mit einem Teamkollegen hinter der Spitze her attackierte und Scott voll hinterherfuhr.

Nur kurz später kamen die 2 aber hinter einer Hecke vorgekrochen, kurz nachdem die Spitze des Feldes vorbei war. Man bekommt hier einfach immer wieder was Neues geboten. Sogar Verstecken wird hier gespielt.

Die Scottfahrer haben den Braten aber schnell gerochen und das Tempo wieder gedrosselt, nur damit Katyusha zu einer Großoffensive ausrufen konnte. Über den nächsten Anstieg zogen sie voll rüber und nahmen das Feld schon ordentlich auseinander. Nach 1,5 Rennstunden war dann aber auch dort die Luft raus und ein geregeltes Arbeitsklima stellte sich ein. Scott kontrollierte für Yates und die 7 Mann strampelten vorneweg. So richtig locker war es aber trotzdem nicht, da bei Rückenwind auch hinten schnell gefahren werden musste um auf Schlagdistanz zu bleiben.

 

Im abschließenden „Rollerberg“ mit durchschnittlich 5% Steigung scherten relativ schnell viele Fahrer aus. Der einsetzende Regen erschwerte es uns dann auch noch zusätzlich. Die Straßen waren ohnehin schon rutschig und die vielen Serpentinen zwangen uns weit vorne zu fahren. Ich fühlte mich gut und blieb noch lange mit dabei. 6km vor dem Ziel habe ich dann Alex nochmal nach vorne gebracht um dann meinen eigenen Rhythmus hochzufahren. Ich hätte mich schon noch ein bisschen länger festbeißen können aber nützte dem Team nichts mehr. Daher entschied ich mich nicht bis aufs letzte zu verausgaben, denn vielleicht kann ich die nächsten Tage ja mal in die Gruppe und bin im Finale dann um jedes Korn froh ;)

Ciao tutti

Euer Nico

11.05.2018

Etappe 7

Foto: @gettysport

Das 7. Teilstück des 101. Giro d’Italia war fast schon ein halber Ruhetag. Einziger Achtungsmoment war gleich zu Beginn: Tony Martin wollte heute in die Gruppe gehen. Dies klappte zunächst auch. Mit 3 Begleitern setzte er sich sofort bei Kilometer 0 ab. Quickstep hat dann aber sofort Angst bekommen und das Loch zu gefahren. Danach gingen 3 neue Fahrer und das Kaffeekränzchen begann. Lediglich in der letzten Rennstunde ging das Tempo nach oben.

Dort waren wir dann schon früh vorne um unseren Sprinter Clement Venturini vorne zu halten.

Auch ich steuerte meinen Teil an Arbeit bei. Leider war er im Finale dann schon isoliert, holte aber trotzdem noch einen 7.Platz für uns raus.

 

Ich konnte heute wichtige Kräfte sparen. Diese werde ich in den nächsten 2 Wochen noch gut brauchen können…

A domani

Euer Nico

Foto:@gettysport

10.05.2018

Etappe 6

Foto: @gettysport

Während die Etappen in Israel mehr oder weniger zum einrollen waren, ging es hier in Sizilien dann schon richtig zur Sache. Mit Tag 6 stand dann heute auch die erste von insgesamt 8 Bergankünften auf dem Menu. Mit 135km Anlauf ging es auf den Etna hinauf. Die Organisation definierte diesen Schlussanstieg auf 17km Länge, wobei es in Wirklichkeit schon 35 vor Ziel stetig hoch ging. Auch der Anlauf war alles andere als Flach. Wir nahmen jede nur erdenkliche Welle mit, die es hier gab. Insgesamt kamen wir also wieder auf unsere 3500hm.

Nachdem es mich die letzten paar Tage schon ordentlich in den Beinen gejuckt hatte, eilte ich meinen Kollegen, die für die Spitzengruppe auserkoren waren zur Hilfe, als das Gesprungen aus dem Ruder zu laufen schien, da nach gut 1 Rennstunde noch immer keine Gruppe stand.

Ich fand mich dann also in der „Fuga“ des Tages. Diese war mit 28 Mann größer als normal und wir waren auch gleich mit 3 Fahrern mit dabei.

Gegenüber einem Chaves oder auch Henan oder den zahlreichen anderen Bergfahrern hatte ich natürlich keine realistischen Chancen den Etappensieg zu holen. Daher stellte ich mich in den Dienst der Kollegen und sorgte dafür, dass die Gruppe ordentlich lief und stopfte die ein oder andere Lücke, wenn ein Fluchtgefährte mal wieder nicht fahren wollte. Je größer die Gruppe ist, desto schlechter arbeitet diese auch zusammen.

Über die ganzen Wellen drückte ich noch locker rüber; auch die ersten 17km bevor der Etna offiziell begann waren kein Problem -auch wenn das Tempo schon sehr hoch war. Erst als es dann   immer steiler wurde, musste ich schnell die Segel streichen und die Gruppe ziehen lassen. Ich fuhr dann meinen Rhythmus bis oben durch und erreichte 15 Minuten nach Chaves das Ziel.

Foto: @gettysport

Da wir heute Abend noch die Fähre nehmen um aufs Festland überzusetzen haben wir uns entschieden unseren Bus nach der Abfahrt zu parken und die 8km mit dem Rad runter zu fahren. Davon erhofften wir uns dem Stau den es mit Sicherheit oben geben würde zu umgehen und somit schneller im Hotel anzukommen. Oben zogen wir uns nur noch schnell ein Jäckchen über und weiter gings. Dimension Data hatte wohl ähnliche Pläne; Zumindest einer ihrer Fahrer. Igor Anton fuhr uns blindlings hinterher, doch sein Bus war nirgends zu finden…sozial wie wir nunmal sind nahmen wir ihn bei uns im Bus auf, wo er sich duschen und umziehen konnte.

Für morgen sind wir dann demnach 9 statt 8 Fahrer am Start, da sein Sportlicher Leiter uns allesamt neben dem Bus wild gestikulierend eiskalt missachtete und vorbeifuhr…

Bei diesem Giro sieht man echt Dinge, die hat man noch nicht gesehn ;)

 

A domani in alter frische

Euer Nico

Foto: @gettysport

09.05.2018

Etappe 5

Foto: Fred Machabert

Nach der gestrigen Etappe wollten heute wohl alle ersteinmal kräftig durchatmen. Dementsprechend gediegen waren auch die ersten 70 Kilometer. Dann begann das Rennen allerdings und es wurde wieder stressig. Das Tempo ging ebenso nach oben und es gab viele Stürze. Ein eben solcher sorgte im letzten Anstieg des Tages für eine erste Vorselektion und spaltete das Feld. Ich selbst stürzte zwar nicht, musste aber ausklicken und mit einem Sprint wieder die Lücke schließen. Ich kam zwar wieder zurück, ließ dann aber genauso schnell auch wieder reissen.

Meine Arbeit war hier aber nicht zu Ende, obwohl ich gedanklich schon mit der heutigen Etappe abgeschlossen hatte. Unser Co-Leader Hubert Dupont war im Sturz zu Boden gegangen und kämpfte um den Wiederanschluss, der zu diesem Moment schon aussichtslos war. Ich sollte nun also Vollgas fahren um den Schaden so gering wie möglich zu halten. Also fuhr ich Vollgas von 15-2 vor Ziel und rollte die letzte Bergaufpassage dann noch gemächlich aus; in so fern dies möglich war…Hubert hat am Schluss dann übrigens 3 Minuten oben drauf bekommen.

 

Morgen steht mit dem Etna dann auch schon die erste Bergankunft des diesjährigen Giros an. Mein Job wird wohl sein bis zum Anstieg den Wind zu schlucken und dann ein passendes Grupetto zu finden, dass mich noch im Zeitlimit ins Ziel bringt.

Nachdem wir gestern schon den ersten Monstertransfer nach dem Rennen hatten, sind wir auch heute wohl nicht vor 21 Uhr im Hotel. Auch morgen ist in diese Richtung keine Verbesserung zu erwarten.

Doch wir bewahren die Moral und optimieren die Regeneration wo wir nur können ;)

A domani

08.05.2018

Etappe 4

Foto: @gettysport

Auf den ersten Blick mag die heutige Etappe vielleicht eher einfach aussehen, da kein großer Berg auf dem Programm steht. Bei einem näheren Blick ins Roadbook fällt dann aber auf, dass es den ganzen Tag nur rauf und runter geht und viele technische Passagen das Feld in die Länge ziehen werden.

Ich fühlte mich wirklich richtig gut und konnte mich trotz des sehr intensiven Starts auf meine Beine verlassen. Manchmal helfen die besten Beine auch nicht weiter, wenn die Stallordnung andere Pläne für einen vorgesehen hat. Dementsprechend hieß es für mich Flasche hier, Leader dort nach vorne bringen, hier den Wind schlucken und das Team vorne halten. Trotz all der Körner die ich unterwegs auf die Straße streute war ich noch lange vorne mit dabei und wurde erst 5km vor dem Ziel durch einen Sturz von der Spitze getrennt.

Wenn man dann auf diese Weise abgehängt wird ist das immer bitter, auch wenn ich wahrscheinlich sowieso kurz darauf in der schweren Zielankunft abgehangen worden wäre…

 

Trotz Allem nehme ich viel Positives aus diesem Tag mit: Heute sind (fast) alle an die Grenzen gegangen. Während der ganzen Etappe war das Tempo stets hoch; so eine richtige Ar***l**ch-Etappe, bei der es eigentlich keinen Moment zum erholen gibt und man sich richtig einen in den Schuh fahren kann…aber wie schon gesagt hatte ich heute ein relativ gutes Gefühl.

Vielleicht bekomme ich ja nach der Etna-Etappe mal noch einen Freifahrtschein…

Nachdem die Etappenankunft heute schon sehr spät war, haben wir jetzt auch noch einen Mammut-Transfer zum nächsten Hotel. Im Moment sagt das Navi unsere Ankunft für 19:45 Uhr voraus…

À domani

Euer Nico

Foto: @gettysport

07.05.2018

1. Ruhetag

Bild: Fred Machabert

Auch am letzten Tag hatte Israel noch eine Überraschung zu bieten. Wie gestern angekündigt begann der Tag mit dem Wecken um 6 Uhr. Nach einer schnellen Dusche und für die meisten von uns ohne Frühstück stiegen wir dann in die Busse, die uns zum Flughafen bringen sollten. Aus welchen Gründen auch immer dachten wir wir würden vom Flughafen in Eilat abfliegen, der direkt neben dem Hotel war. Wir fuhren an diesem aber geradewegs vorbei hinein in die felsige Gebirgslandschaft, die nur immer wieder von einzelnen Militärstationen unterbrochen wurde. Irgendwann lichtete sich die Gegend dann und wir fanden uns in einer Wüstenlandschaft wieder. Einziger Orientierungspunkt war hier der endlose Stacheldrahtzaun, der Israel von Ägypten trennt. Wir fuhren also eine ganze Weile an der Landesgrenze entlang, bis es au einmal mitten im nirgendwo rechts ab ging und wir auf einen kleinen einsamen Flughafen, den Ovda International Airport stießen.

Vollkommen verwundert, wo wir denn da auf einmal gelandet waren ging es zur strengsten Sicherheitskontrolle die ich je erlebt habe. Mehrfach wurde mein Koffer durchsucht und komische Fragen zu jedem einzelnen Elektrogerät gestellt. Sogar wann ich denn meinen Koffer bekommen habe wollte der nette Herr von der Sicherheitskontrolle wissen. Veräppelt kam ich mir spätestens aber dann vor, als er mich fragte woher ich das offizielle Roadbook vom Giro hätte und seit wann ich dieses mein Eigen nennen durfte…

Nachdem ich dann zum 5. Mal meinen Pass gezeigt hatte war ich dann auch endlich durch und durfte aus Israel ausreisen.

Naja ich durfte noch eine weitere Stunde auf den Charterflug warten, der uns nach Catania, Sizilien bringen sollte.

 

Dort erwartete uns dann auch schon unser Teambus -Gott bin ich froh wieder den Bus zu haben; ein Komfort den ich in den letzten Tagen zu schätzen gelernt habe.

Der Rest vom Tag verlief dann wieder so wie ein klassischer Ruhetag: kleine, gemütliche Ausfahrt um die Beine locker zu fahren und in Schwung zu bleiben, Massage und erholen, erholen, erholen.

Morgen steht dann eine lange und ermüdende Etappe auf dem Programm: 200km immer nur hoch und runter, rechts und links…da wird viel Arbeit auf mich zukommen

Ciao ragazzi

Euer Nico

 

Achso und ja ich bin jetzt im Panini-Fieber. Jeder von uns hat 2 Hefte und einen Karton voll Sticker bekommen. Ich hab sogar schon mein eigen es Bild ;)

06.05.2018

Etappe 3

Foto: @gettysport

Als Radprofi bin ja schon viel rumgekommen aber durch die Wüste bin ich noch nie gefahren. Anscheinend muss das Glück auf unserer Seite gewesen sein, denn die Temperaturen blieben bei um die 30°. Nach Angaben der Einheimischen gibt es wohl nur etwa 10 Tage im Jahr an denen es nicht brütend heiß ist.

 

Als wir in Be’er Sheba losgefahren sind traute ich zunächst meinen Augen nicht:  Bereits am Start hatte das Militär / Polizei mit Bussen die Straßen versperrt. Während dem Rennen gaben mir die Blechbaracken und mit Plastiksäcken abgedeckten Zelten erneut das Gefühl mich in Call of Duty wieder zu finden. Die SUVs, die rechts und links von der Autobahn fuhren und mit Soldaten bemannt waren bestärkten dieses Gefühl weiter.

Weiterhin wurden wir Zeitweise von bis zu 3 Helikoptern begleitet und immer wieder konnte man Sniper sehen, die entlang der Strecke Posten bezogen hatten. Die Sicherheit war also auf jeden Fall gewährleistet.

 

Mal abgesehen von dem ganzen Militär gab es am Anfang nicht viel interessantes vom Rennen zu berichten. 3 Mann vorne raus und BMC kontrolliert. Erst später wurde es dann nervös als es auf einen kleinen Richtungswechsel zu ging. Alle hatten Angst vorm Wind. Hier musste ich dann auch arbeiten und fuhr einen langen Moment im Wind. Wie sich kurz darauf dann herausstellte umsonst, denn nichts passierte.

 

Das Finale wurde dann nochmal richtig schnell. Mit 75 km/h (!) ballerten wir die letzten 40km in Richtung Ziel in Eilat unweit der ägyptischen Grenze. Auch hier hielt ich meinen Leader Alex so gut wie möglich vorne. Erst 6km vor dem Ziel musste ich mich dann gezwungener Maßen zurückfallen lassen, kam aber noch in der selben Zeit mit Viviani ins Ziel.

 

Unser Israel-Abenteur ist hiermit zu Ende und morgen, am 1. Ruhetag -oder besser Reisetag- geht unsere Charter-Maschine nach Sizilien.

Ich bin heute nach unserer 230km-Rally durch die Wüste echt platt und werde wohl früh schlafen gehen, denn morgen klingelt der Wecker schon um 6Uhr Ortszeit also 5 Uhr deutscher Zeit…

A domani in bella Italia

Euer Nico

05.05.2018

Etappe 2

Foto: @gettysport

Nach dem gestrigen Zeitfahren stand heute die erste richtige Etappe auf dem Programm. Das Profil deutete bereits einen Sprint an und so kam es dann auch. Unterwegs war es aber sehr nervös obwohl im Gegenwind auf der 4-Spurigen Autobahn eigentlich nichts passieren konnte. Wir gingen locker an die Sache heran und entschieden uns dafür den Positionskämpfen aus dem Weg zu gehen und hielten uns hinten auf. Lediglich für die entscheidenden Passagen kamen wir nach vorne. Dies war der Fall bei der einzigen Bergwertung des Tages, wo BMC für Dennis das Tempo hoch hielt und auf die Spitze zurück kam.

Nachdem dieser dann den Zwischensprint gewonnen hatte schalteten alle wieder einen Gang runter und es gab wieder Platz für ein paar Gespräche mit dem ein oder anderen Kollegen bevor es in das technische Finale ging. Die Unzähligen Zuschauer am Streckenrand gaben einem nicht nur Gänsehautfeeling sondern erforderten auch noch zusätzliche Konzentration, das die Menschenmenge richtig dicht an die Straße herankam und jeder noch sein eigenes Foto schießen wollte.

Meine Aufgabe war im Finale dann Clement Venturini nach vorne zu bringen und für den Sprint zu platzieren. Obwohl wir heute das erste Mal zusammen in einem Team fuhren klappte die Verständigung relativ gut. Lediglich an der Flamme Rouge wurde ich etwas eingeklemmt und wir verloren uns. Am Ende reichte es für ihn auf den 6. Rang. Ich kam kurz dahinter noch auf Platz 17 ins Ziel.

 

Dieses Ergebnis lässt in den nächsten Tagen auf mehr hoffen! Bleibt noch ein Tag hier in Israel -seit gestern Abend in einem besseren Hotel mit gutem Essen und bequemen Betten- bevor es am Montag schon den ersten Ruhetag gibt und wir hier unsere Zelte abbrechen um auf italienischen Boden zurückzukehren.

Bis Morgen in alter Frische

Euer Nico

04.05.2018

Etappe 1

Foto: @gettysport

La Grande Partenza. Heute war der offizielle Startschuss des 101. Giro d‘Italia. Ein historischer Moment. Zum ersten Mal startet eine Grand Tour von einem anderen Kontinent.

Zum Auftakt ging es über 10 (sehr) wellige Kilometer. Viele Kurven, zahlreiche Schlaglöcher und eine rutschige Straße sorgten schon beim Warmfahren für die ersten Stürze. Dabei erwischte es mit Froome auch einen Prominenten...

Ich persönlich ging ohne Druck in dieses Zeitfahren war dann aber doch etwas nervös und bin natürlich voll gefahren. Ich konnte ein gutes Tempo fahren und hielt auch in den Aufwärtspassagen eine hohe Kadenz. Lediglich über die Kuppe fehlte es mir etwas an der nötigen Power um direkt wieder auf Geschwindigkeit zu kommen.

Letztendlich reichte es mir für ein solides Top 50 Ergebnis 54 Sekunden hinter Tom Dumoulin.

Auf diesem Niveau und ohne spezifische Vorbereitung ein korrektes Ergebnis. Ausserdem war ich der schnellste aus dem Team; leider wird diese Glanzleistung mir wohl keinen Kapitänstatus für die nächsten Tage einbringen. Vielmehr werden meine Helferdienste sehr gefragt sein.

 

Die Nachricht des Tages kam allerdings von unserem Betreuer, der mit unseren Koffern schon nach Tel Aviv in unser neues Hotel gefahren ist: Leider kann unsere Wäsche nicht vor Sonntag gewaschen werden, da hier am Sabbat keiner arbeitet und das respektiert werden muss. Das heisst dann für uns entweder Rennhose umdrehen und nochmal anziehen oder von Hand selbst waschen ;)

In diesem Sinne Shalom und auf wiedersehen

A domani

Euer Nico

Foto: @gettysport

03.05.2018

T-1

Foto: Kevin Bottin

Morgen beginnt die große Schlacht. Der Fight for Pink. Der 101. Giro d’Italia. Die Anspannung steigt langsam aber sicher. Heute morgen noch ein letztes Einrollen auf dem Zeitfahrvelo und dann die Teampräsentation am Nachmittag. Die Stimmung ist auf jeden on mal gut!

Nach der Teampräsentation blieb an diesem vollgepackten Tag sogar noch eine halbe Stunde Zeit für eine kurze Tour durch die Altstadt Jerusalems zur Klagemauer.

Dies war auf jeden Fall ein interessantes Erlebnis durch die heilige Staadt zu laufen und die zahlreichen Betenden zu beobachten. Ebenfalls beeindruckt hat mich die Vielfältigkeit der Kulturen und Religionen die man hier auf engstem Raum antrifft…

 

Heute Abend wurden wir dann noch mit einem kurzen Meeting auf den Großen Start morgen vorbereitet.

Wir sind bereit.

A domani

Euer Nico

02.05.2018

T-2

Foto: Fred Machabert

Tag 0 rückt weiter unaufhaltsam näher und der heutige begann früh: Um 6:30 Ortszeit (also 5:30 Uhr in Deutschland) klopft es an der Tür für die obligatorische Kontrolle vor einer Grand Tour. Alle Fahrer werden hier zur Blutspende gebeten für den so genannten Blutpass. In diesem werden sämtliche Testergebnisse gesammelt um Veränderungen zu beobachten und daraus auf eventuelle Dopingvergehen zu schließen.

 

Einmal wach ging es dann weiter zum Frühstück. Dieses war eine weitere Attraktion für sich. Es gab mehr Salat als Brot beim Buffet und ich gab mich dann mit einem Honigbrötchen zufrieden. Für morgen haben unsere Assistenten nun aber Haferflocken und europäisches Brot eingekauft. Das einheimische Brot erinnert mehr an Milchbrötchen…

Ich muss leider sagen, dass mich die lokale Küche nicht unbedingt anspricht und ich schon jetzt von der italienischen Pasta träume; und vom italienischen Kaffee. Es geht doch nichts über einen leckeren Cappuccino zum Frühstück ;)

 

Nach diesem frühen Frühstück überkam mich dann doch noch die Müdigkeit und ich nickte nochmal ein gutes Stündchen weg bevor es dann mit den Autos aus der Stadt hinausging um dort eine Runde Rad zu fahren.

Aber auch hier musste ich leider feststellen, dass Jerusalem nicht das Ziel meines nächsten Trainingslagers wird. Es gibt nur große Straßen und wie gestern schon angedeutet ist das Verkehrsaufkommen enorm. Wir mussten sogar bis 10 Uhr warten um aus dem Hotel loszufahren, weil vorher alle Straßen verstopft sind. Auch die Verkehrsregeln scheinen hier mehr eine Richtlinie als Verpflichtung zu sein. Die Vorfahrt wird anscheinend über Hupen geregelt. So ganz nach dem Motto wer zu erst kommt malt zuerst :D

 

Nach 3h bei 40° war ich dann auch echt froh wieder im temperierten Hotel anzukommen. Dann Duschen, Beine rasieren, Massage und wieder schlafen.

Ich habe heute mehr im Bett gelegen als alles andere. Das Jetlag hat mich heute so richtig umgehauen. Dafür kam die letzten paar Tage aber auch einiges zusammen was mich nach und nach Erschöpft hat.

Und wenn ich ganz ehrlich bin ist es auch ein bisschen meine eigene Schuld; aber wenn man zwischen Romandie und Giro nur 1 Tag bzw 2 Nächte zu Hause ist geht man halt noch nicht gleich um halb 10 ins Bett sondern möchte auch noch etwas Zeit mit Freundin und Familie verbringen…

 

Naja auf jeden Fall habe ich jetzt erstmal den fehlenden Schlaf nachgeholt und fühle mich wieder frisch. Morgen werden wir dann mit der Teampräsentation wohl schon etwas mehr in Rennstimmung kommen.

Bis dahin

Ciao

Euer Nico

01.05.2018

T-3

Heute ging es los zu meinem 1. Giro d’Italia.

Nach einer kurzen Taxifahrt zum Flughafen und einem reichhaltigen Frühstück in der Lounge in Zürich flog ich nach Israel. Zürich - Tel Aviv. Direkt.

 

Die 4h Flug verliefen eher ereignislos. Trotzdem habe ich die Businessplätze, die wir auf dem Australienflug noch hatten vermisst, konnte ich doch kaum meinen Laptop aufklappen um während des Flugs zu arbeiten…Auch die 1h Zeitverschiebung hat mir bisher noch nicht viel ausgemacht.

Das erste was mir nach der Landung aufgefallen ist, war die Hitze. Es ist doch deutlich stickiger als bei mir zu Hause im schönen Schwarzwald.

Auch das Verkehrsaufkommen ist echt gewaltig. Ich bin jetzt also hier in Jerusalem mit meiner Familie für die nächsten 3 Wochen. Alles in Allem sind wir 8 Fahrer (seit diesem Jahr sind es nur noch 8 statt 9 Fahrer bei den Grand Tours) und 13 Betreuer. Der Betreuerstab wird aber teilweise ab Sizilien noch ausgetauscht und erweitert.

 

Ich hab mich jetzt hier also schon etwas eingerichtet für die nächsten paar Tage und werde euch natürlich stets weiter Berichten

À domani

Euer Nico

Fotos: Gettysport

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