Oktober 2018

07.10.2018

Tour de Vendée

Was soll ich sagen?! Wow. Es ist jetzt 8 Uhr morgens, ich sitze in Paris Charles-de-Gaulle und warte auf meinen Anschlussflug zurück nach Hause und ich habe es immer noch nicht richtig realisiert. Gestern war die Tour de Vendée, das letzte Rennen der Saison für mich. Ich wusste, dass ich in guter Form bin; bereits vor der WM lief es im Training richtig gut und auch danach „strahlte“ ich ordentlich im heimischen Schwarzwald umher.

Angereist war ich aber ohne Erwartungen, da Sam Dumoulin als Kapitän noch Chancen auf die Gesamtwertung des Coupe de France hatte.

Während des gesamten Rennens trat unser Team bärenstark auf und wir waren immer einen Schritt voraus und hatten immer einen Mann vorne mit dabei. Zunächst war es mein Zimmerkollege Bagdonas der in einer 4-Mann-Gruppe saß, dann ging Aurelien Paret-Peintre (ein junger Neoprofi mit dem ich bereits in Chambéry zusammen gefahren bin) und ich sprang letztendlich auch nach vorne, sodass wir schlussendlich 3 Mann unter 30 hatten.

 

Wie es dann nunmal so ist harmonierte die Gruppe nicht mehr so richtig und Aurelien machte einen super Job und sprang wie ein wilder hinter sämtlichen Attacken her, sodass ich ruhig sitzen bleiben konnte und im entscheidenden Moment in einer 8 Fahrer starken Gruppe mitgehen konnte.

Da aber auch diese Gruppe im schweren Finale (der einsetzende Regen machte den gestrigen Tag richtig schwer) nicht mehr richtig zusammen arbeitete forcierte ich zunächst 2 Runden vor Schluss das Tempo um mich mit 2 Fahrern abzusetzen.

 

Eine Runde vor Schluss griff ich dann erneut an um einem Sprint aus dem Weg zu gehen.

Ich riss auch sofort ein Loch, bekam aber an der Zieldurchfahrt Zweifel ob es wirklich die letzte Runde war, da mir noch 2 Runden angezeigt wurden. Ich ging also nicht All-in und nahm etwas raus um noch 2 Runden fahren zu können; dadurch kamen meine beiden Mitstreiter wieder zurück und die Führungsarbeit blieb an mir hängen.

 

Als die beiden dann den Sprint eröffneten dachte ich schon ich habe den Sieg verschenkt und sprintete sicherheitshalber mit.

Glücklicherweise hat es dann trotzdem gereicht um als erster über die Linie zu fahren. Gejubelt habe ich allerdings trotzdem nicht, da ich mir alles andere als sicher war...als ich aber um die Kurve fuhr und mir die Betreuer entgegen rannten wusste ich so langsam was los war.

Ich habe es also endlich geschafft. Mein erster Profisieg. Ich musste lange warten; sehr lange; 3 lange Jahre ist es her, seitdem ich das letzte Mal gewonnen habe. Ich wollte diesen Sieg unbedingt und jetzt ist er da. Ich bin einfach nur sprachlos und überwältigt. Ich habe mir diesen ersten Sieg schon tausende Male ausgemalt und vorgestellt, aber jetzt wo er Wirklichkeit geworden ist, ist es ganz anders. Ich bin immer noch der selbe, es hat sich nichts verändert, außer das jetzt mir die Rechnung beim after-race-feier-bierchen zugeschoben wird :D -doch da bezahle ich gerne ;)

 

Überwältigt war ich auch von den vielen Nachrichten die ich erhalten habe. Vielen Dank nochmals dafür.

Diesen ersten Sieg bei den „Großen“ werde ich immer in Erinnerung behalten -und das nicht nur weil ich an den Bremsgriffen im Sitzen gesprintet bin und vergessen habe zu jubeln, sondern auch weil dieser Sieg für 2 Personen ist. Vor 2 Jahren kam mein guter Freund und Teamkollege Etienne Fabre bei einem Wanderausflug in den Bergen ums Leben und ich versprach ihm, dass ich für ihn gewinnen würde. Es ging zwar länger als gewünscht aber jetzt hat es endlich geklappt.

Auch Alois Stöcklin möchte ich diesen Sieg widmen. Er kam diesen Sommer in einem Fahrradunfall ums Leben und hinterlässt ein großes Loch in der Radsportwelt am Hochrhein!

 

Für mich heißt es jetzt erstmal Rad weg und Kopf aus.

Ich verabschiede mich nun in die traditionelle Saisonpause. 3 Wochen werde ich nun mein Rad nicht anfassen und dann langsam wieder anfangen mit alternativen Trainings wie Laufen, Schwimmen, MTB etc.

Es gibt wohl nichts besseres als mit einem Sieg im Gepäck in die Pause zu gehen. Das gibt mir extrem viel Motivation für diesen Winter und ich freue mich jetzt schon auf die Saison 2019, die für mich erneut in Australien beginnen wird. Die Tour Down Under ist ein tolles Rennen; gut organisiert und auch das Wetter ist recht zuverlässig ;) Ich werde mich dort unter perfekten Bedingungen auf die Klassiker vorbereiten können!

 

In diesem Sinne: ciao tutti sono le vacanze

Euer Nico

Instagram

Folge mir auf Strava
Velo & Bike Club Waldshut-Tiengen 1894 e.V.